Von Klimakrise bis fragile Lieferketten – die Frage, wie wir uns künftig ernähren wollen und können, gewinnt immer mehr an Bedeutung. Anfang Dezember stand sie auch im Mittelpunkt des Vienna Breakfast Club, zu dem die Wirtschaftsagentur Wien gemeinsam mit dem Climate Lab lud. Doch statt eines gewöhnlichen Networking-Events ging es an diesem Morgen bei Kaffee und NoSchoko-Stangerl um konkrete Fragen und vor allem um konkrete Antworten – Wie soll und kann Food Innovation in Wien aussehen? Wie kann die Wirtschaftsagentur Wien der Branche dabei unter die Arme greifen? Und was braucht es für eine lebhafte Food Innovation Community in Wien, um die Stadt zu einem treibenden Standort zu machen?
Beim Event zeigten drei Unternehmen, wie vielfältig Innovation im Ernährungsbereich aussehen kann – und dass Innovation nicht immer High-Tech sein oder ihren Ursprung im Labor haben muss.
MILA – Innovation für’s Geschäftsmodell
Ein Lebensmittelgeschäft, in dem alle Einkaufenden auch einen Teil der Arbeit erledigen, statt nur zu konsumieren. Gibt`s nicht? Gibt`s doch! Denn der Mitmachladen MILA im 12. Wiener Gemeindebezirk agiert als Genossenschaft. Mit einem sozial gestaffelten Genossenschaftsbeitrag und einem Arbeitsaufwand von drei Stunden alle vier Wochen, ist man als Mitglied dabei. So verzeichnet der partizipative Supermarkt bereits über 1.000 Mitglieder. Was sie dafür bieten: transparente Preise bei allen Produkten. Denn bei MILA gibt es unabhängig vom Produkt einen einheitlichen 30% Aufschlag auf den Einkaufspreis. Das ermöglicht einen Einkauf, der größtenteils billiger ist als in gewöhnlichen Supermärkten. MILA zeigt: Innovation kann auch bedeuten, ein neues Verständnis für Eigentum, Arbeit und Wertschöpfung aufzubauen.
kern tec – Innovation in Verarbeitung
Obst wird verarbeitet und die Kerne landen im Abfall. Warum eigentlich? Diese Frage stellte sich kern tec vor sieben Jahren und entwickelte ein Verfahren, mit dem Marillenkerne aus der Wachau zu hochwertigen Lebensmitteln verarbeitet werden. Die Kerne wurden aufgrund giftiger Inhaltsstoffe in der Lebensmittelindustrie in dieser Form bisher nicht verarbeitet. In Kooperation mit Landwirt:innen und interdisziplinärer Arbeit zwischen der WU, BOKU und TU gelang es aber, die toxische Abfallprodukt sicher nutzbar zu machen. Das Ergebnis: Die Produktlinie Wunderkern, die Marillenkerne mit ihrem hohen Gehalt an Proteinen, Fettsäuren und Mineralien in Milchalternativen, Kakao und Käsealternativen umwandelt, Abfall vermeidet und regionale Wertschöpfung stärkt. kern tec zeigt, was Food Innovation im Zusammenspiel von Landwirtschaft und Wissenschaft, verbunden durch Unternehmertum, bewirken kann.
KRUT – Innovation mit Tradition
KRUT zeigt, dass nicht jede Innovation neu sein muss. Um Lebensmittel vor der Verschwendung zu bewahren, rückte der Fokus auf Fermentation. Fermentation, die in unserer Gesellschaft vor allem in Form von Alkohol Bekanntheit genießt, ist in vielen Variationen möglich. Grundprämisse dabei: Mikroorganismen wie Bakterien oder Pilze wandeln organische Stoffe (z.B. Stärke, Zucker) in Säure, Gas oder Alkohol um. Das Produkt, das dabei herauskommt, punktet mit stärkeren Aromen, Darmgesundheit und besserer Nährstoffaufnahme. Das natürliche Verfahren macht Lebensmittel zudem länger haltbar. KRUT unterstützt gerne auch Interessierte bei der Umsetzung und Verbreitung von Fermentationsprodukten. Dadurch wollen sie dazu beitragen, dass unsere Ernährungssysteme abfallärmer, regionaler und saisonaler werden. Altes neu gedacht – nicht aus Nostalgie, sondern weil auch altes Wissen wertvoll ist.
Das Event und der neue Schwerpunkt Vienna Food Innovation der Wirtschaftsagentur Wien geht auf ein früheres Projekt mit dem Climate Lab zurück. Ziel ist es, praktikable Lösungen im Bereich Ernährung hervorzuheben und auch weiterzuentwickeln.
Links:
– Wirtschaftsagentur Wien
– MILA
– kern tec
– KRUT
Titelbild: Karo Pernegger





