Viele Betriebe stehen vor einer großen Herausforderung. Die Ecodesign for Sustainable Products Regulation (ESPR) verlangt, dass Digitale Produktpässe (DPP) umgesetzt werden. Der konkrete Einstieg ist jedoch unklar. Es fehlen klare Vorgaben, welche Daten benötigt werden. Auch die technischen Grundlagen sind noch nicht einheitlich. Datenformate, Identifikatoren und Governance-Strukturen unterscheiden sich stark. Ein gemeinsamer Trust-Layer existiert noch nicht. Das betrifft vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) Sie brauchen Orientierung und praktische Unterstützung. Konkrete Beispiele aus der Praxis helfen, den Weg zur DPP-Readiness besser zu verstehen. Gleichzeitig eröffnet der DPP Chancen. Er soll die Kreislaufwirtschaft stärken und er schafft ökologische und wirtschaftliche Vorteile über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts hinweg. Im Fokus stehen derzeit insbesondere die Branchen Textilien, Batterien und Bauwirtschaft, in denen der DPP künftig standardmäßig eingesetzt wird.
Die zentralen Hürden auf dem Weg zum DPP
Die heutige Datenlandschaft ist fragmentiert: Informationen liegen bei vielen Akteuren – von Lieferanten über Produktion und Handel bis hin zum Recycling. Es fehlt eine gemeinsame technische Sprache. Unterschiedliche Datenformate und Definitionen erschweren die automatische Weiterverarbeitung und verhindern, dass Systeme nahtlos miteinander kommunizieren können.
Ein weiterer Knackpunkt ist das Thema Vertrauen. Wer erstellt den DPP? Wer bestätigt die Richtigkeit? Wie lässt sich sicherstellen, dass Daten langfristig verfügbar bleiben – selbst wenn ein Anbieter ausfällt? Auch Zugriffsrechte und Identitäten sind noch nicht durchgängig geregelt, was zusätzliche Unsicherheiten schafft.
Gerade für kleine und mittlere Unternehmen gilt: Es mangelt oft an Zeit, Ressourcen und spezialisiertem Wissen. All diese Faktoren führen dazu, dass der Start in die Umsetzung schnell als überwältigend wahrgenommen wird.
Ansätze und Lösungen aus den Leitprojekten
Die Veranstaltung im Climate Lab hat gezeigt, dass es bereits erste Lösungswege gibt. Mehrere Projekte arbeiten an Referenzarchitekturen und technischen Frameworks, die Datensouveränität und Interoperabilität ermöglichen sollen. Insbesondere hat auch das Climate Lab selbst im Rahmen eines Projektes im Auftrag des Klimaschutzministeriums (BMLUK) einen Leitfaden für KMU’s im Umgang mit dem DPP erstellt.
CIRPASS-2 arbeitet daran, eine europaweit einheitliche Grundlage für den Digitalen Produktpass zu schaffen. Im Fokus stehen Referenzarchitekturen, Datenmodelle und Schulungen, die besonders KMU beim Einstieg unterstützen sollen. Zudem adressiert das Projekt jene Daten, die später im Handel oder im Recycling benötigt werden. Dadurch wird gewährleistet, dass Daten entlang der gesamten Wertschöpfungskette genutzt werden können.
PASSAT konzentriert sich auf die technische Infrastruktur, die den sicheren und souveränen Austausch von DPP-Daten ermöglicht. Dafür wird eine Data-Space-Architektur entwickelt – mit Registry, Connector, Governance sowie einem semantischen Layer als gemeinsame Sprache zwischen Systemen. So wird sichergestellt, dass Daten zusammenpassen, unabhängig davon, wo sie gespeichert sind. PASSAT schafft damit die Basis dafür, dass Unternehmen ihre Daten behalten und dennoch in einem gemeinsamen Ökosystem teilen können.
PACE-DPP bringt die Lösungen direkt in die Anwendung. Das Projekt entwickelt Bausteine wie den DPP-Secure Node und digitale Service-Ökosysteme, mit denen wichtige Informationen in Echtzeit genutzt werden können. Ein Beispiel ist der Batteriepass: In nur sechs Wochen entstand ein erstes funktionsfähiges Modell, das öffentlich gezeigt wurde. Auch in den Bereichen Textilien und Holz werden Pilotprojekte umgesetzt. So wird sichtbar, wie der Digitale Produktpass bereits heute in echten Lieferketten funktioniert.
Diese Leitprojekte arbeiten daran, die Grundlagen für den Digitalen Produktpass so aufzubauen, dass Unternehmen sie wirklich nutzen können. Dafür entwickeln sie gemeinsame technische Strukturen und Regeln, wie Daten sicher und verständlich ausgetauscht werden können. Gleichzeitig entstehen praktische Bausteine, die direkt in der Industrie eingesetzt werden – etwa für Produkte wie Batterien, Textilien oder auch in der Bauwirtschaft. So wird der DPP Schritt für Schritt von der Theorie in die reale Anwendung gebracht.
Was bereits funktioniert – Best Practices
Die Veranstaltung machte deutlich, dass es nicht nur theoretische Konzepte gibt, sondern bereits echte Lösungen. Besonders überzeugend war das Beispiel eines Batteriepasses. Dabei wurde innerhalb von nur sechs Wochen ein funktionsfähiger Demonstrator entwickelt und öffentlich präsentiert. Lebenszyklusdaten, digitale Produktidentitäten und neue Service-Modelle wurden so miteinander verbunden, dass ökologische und wirtschaftliche Vorteile klar sichtbar wurden.
Auch andere Branchen sammeln bereits wertvolle Erfahrungen. Unternehmen wie Löffler, Grüne Erde und Lenzing berichteten davon, wie sie erste Schritte in Richtung mehr Datentransparenz und Kreislauffähigkeit ihrer Produkte setzen. Diese Beispiele zeigen: Ein Einstieg ist machbar, selbst in Lieferketten, die auf den ersten Blick sehr komplex erscheinen.
Wie geht es jetzt weiter? – Empfehlungen und nächste Schritte
Die Ergebnisse des Events fließen nun in konkrete Unterstützungsangebote ein. Leitfäden, wie jener des Climate Lab sowie weitere Austauschformate helfen Unternehmen dabei, Schritt für Schritt in die Umsetzung zu kommen. Das Climate Lab bleibt dabei an ihrer Seite – als Vernetzer, Wissensdrehscheibe und Ansprechpartner für technische und organisatorische Fragen. Wer bereits heute beginnt, die wichtigsten Produkt- und Prozessdaten sichtbar zu machen, schafft sich einen klaren Vorsprung. Denn der Digitale Produktpass wird kommen – und die Unternehmen, die jetzt aktiv werden, gestalten die Zukunft der Kreislaufwirtschaft mit.











