Herr Kesicki, wie ist die Idee entstanden, gemeinsam mit dem Impact Hub Wien ein Climate Lab zu gründen?
Wir wollten uns öffnen und beim Thema Energiewende mit unterschiedlichen Partner:innen kooperieren. Daher der Gedanke, ein eigenes Innovationszentrum ins Leben zu rufen. Glücklicherweise hatten wir auch die passenden Räume dafür, drei Stockwerke in unserem Hochhaus an der Spittelauer Lände. Wir haben sehr schnell vertrauensvolle Gespräche mit den Vertreter: innen des Impact Hub geführt. Ich war schon immer beeindruckt, wie sie es schaffen, – auch weltweit – Gemeinschaften aufzubauen, die Innovation voranbringen. Der Impact Hub kuratiert seit Jahren erfolgreich das Zusammenspiel von Akteur:innen aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung mit Vertreter:innen von Start-ups, der Wissenschaft sowie NGOs. Für die Energiewende ist das existenziell.
Das Climate Lab arbeitet inzwischen seit mehr als drei Jahren mit verschiedenen Stakeholdern im Wien Energie-Hochhaus zusammen. Ein Erfolgsmodell?
Im Climate Lab sind das Bundesministerium für Landwirtschaft und Klimaschutz vertreten, die Wirtschaftsagentur Wien, der Klima Energie Fonds, die Wiener Linien. Neben uns als Wien Energie sind auch Unternehmen wie Holcim, Mondi, Billa oder Siemens Energy engagiert. Als neutrale Plattform macht das Climate Lab diese sektorübergreifende Arbeit möglich. Ein praktisches Beispiel: Als Energieunternehmen stehen wir vor großen Herausforderungen bei der Dekarbonisierung unserer Müllverbrennungsanlagen – ein Thema, das wir nicht allein bewältigen können, es braucht auch den Austausch mit Akteur:innen aus dem öffentlichen Sektor, um die Infrastruktur aufzubauen, Förderung zu etablieren und sich mit angrenzenden Ländern auszutauschen. Diesen Prozess kann das Climate Lab mit definieren und die Erkenntnisse in die Umsetzung bringen.
Warum ist die Multi-Stakeholder-Methode des Climate Lab erfolgreich?
Natürlich gibt es auch bei uns Dinge, die nicht klappen – das ist klar beim Thema Innovation. Aber das Climate Lab hat sich früh und intensiv damit auseinandergesetzt, wie sich seine Innovationsmethoden verfeinern lassen, unter anderem gemeinsam mit der Boston Consulting Group. Zudem bringt der Impact Hub einfach große Erfahrung mit und weiß, was in der Realität funktioniert und was nicht. In den vergangenen drei Jahren haben wir hier gemeinsam stark gelernt, was es braucht, wer mit an den Tisch muss, wo wissenschaftliche Begleitung nötig ist – und was am Ende das Ergebnis sein soll.
Wie kommt die Arbeit des Climate Lab intern wie extern an?
Nicht alle sehen das Thema Innovation stets wohlwollend. Aber wir haben es geschafft, eine Innovationskultur zu etablieren, deren Erfolge auch die Skeptiker:innen überzeugen. Ein Beispiel: Als Pilotprojekt haben wir auf dem Donauinsel-Festival eine mobile Sendeanlage mit grünem Wasserstoff anstelle von Diesel betrieben. Den Anstoß dafür hat ein Multi-Stakeholder- Projekt des Climate Labs gegeben. Grundsätzlich wird positiv gesehen, dass wir Initiativen vorantreiben und uns aktiv für die Energiewende einbringen. Aber man muss auch sehen, dass Österreich in den letzten Jahren durch eine Rezession gegangen ist – das bedeutet leider oft, dass dann Innovation nicht immer an allererster Stelle steht.
Ist der Ausbau des Climate Lab um weitere drei Stockwerke nach innen wie außen ein Signal, das Thema noch mehr zu forcieren?
Absolut. Wir gehen diesen Schritt sehr bewusst, weil wir mit der Arbeit des Climate Lab sehr zufrieden sind. Ende 2026 soll die Erweiterung in Betrieb gehen. Wir sehen das als ganz klares Bekenntnis.
In den Räumen des Lab herrscht eine besondere Atmosphäre – was schätzen Sie persönlich an der Community, die bei Ihnen sitzt?
Ich habe 18 Jahre meines Berufslebens in der Energiebranche verbracht und schon graue Haare darüber bekommen. Ich erwarte nicht, dass die Kolleginnen und Kollegen im Climate Lab mich mit ihrer Energieexpertise übertreffen. Aber was ich total schätze, ist ihre Motivation, ihre Neugierde und ihre Begeisterung, Dinge voranzubringen und auszuprobieren. Sie haben das, was aus meiner Sicht entscheidend für ein Gelingen der Energiewende ist. Und das ist Mut. Der fehlt uns ab und zu in den wichtigen Entscheidungsgremien.
FABIAN KESICKI ist Energieökonom und leitet seit fünf Jahren die Unternehmensentwicklung der Wien Energie GmbH. Er verantwortet die Bereiche Innovation & Förderungen, Strategie und Nachhaltigkeit. Kurz nachdem er seine Arbeit für den größten regionalen Energieversorger Österreichs im Herbst 2020 begann, starteten die Gespräche mit dem Impact Hub über die Gründung eines Climate Lab.