Klima Puzzle: mit Schneeballeffekt und guter Laune

‏‏‎ ‎|‏‏‎ ‎Katharina Weiß

Eine Reise durch Erkenntnis, Emotion und Empowerment – und die Geschichte einer wachsenden Gemeinschaft für wirksame Klimabildung. Wir haben mit Katharina Haas, der Koordinatorin des Klima Puzzles in Österreich, gesprochen.

Ihr habt letztes Monat eine beeindruckende Marke erreicht: Über 10.000 Menschen haben das Klima Puzzle in Österreich bereits absolviert. Was ging dir durch den Kopf, als ihr diese Zahl geknackt habt?
Ich habe mich gefreut. Ich bin sehr, sehr stolz auf unsere 10.000, mittlerweile sind es 10.667. Weltweit haben wir schon weit über 2 Millionen Menschen erreicht. Das ist immens. Im Vergleich dazu erscheinen wir in Österreich vielleicht wenig, aber es ist ein kleines Land und es ist viel Ehrenamt, das da drin steckt. Das ist unser Commitment, unsere intrinsische Motivation.

Und nimm uns gerne auch mit zurück zum Anfang. Wie ist die Idee des Klima Puzzles ursprünglich entstanden?
Die Idee stammt von Cédric Ringenbauch. Er ist Klimaexperte. Zuvor hat er vor allem Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit begleitet. Und er hat immer wieder an Universitäten unterrichtet und gemerkt: Top-down Unterricht holt Menschen nicht ab.

Also nahm er die wichtigsten Daten und Fakten aus den Berichten des Weltklimarates (IPCC) und forderte seine Studierenden auf, diese Karten in ein System von Ursache und Wirkung zu bringen. Selbst ging er währenddessen Kaffee trinken.

Dieses selbstständige, aber gemeinsame Arbeiten der Studierenden hat gewirkt! Da war klar, dass er diese Methode ausrollen möchte. 2018 wurde dann der offizielle Verein La Fresque du Climat in Frankreich gegründet. Seitdem ist daraus eine weltweite Bewegung geworden.

Tatsächlich hat Cédric Ringenbach selbst auch den ersten Workshop in Wien gemacht, für die UN. Der Workshop war auf Englisch mit internationalen Teilnehmer:innen. Es hatte wenig Wien-Bezug, wenig Österreich-Bezug. Und es blieb dann auch der erste und letzte Workshop, bis ich das Klima Puzzle mit aus Frankreich wieder nach Österreich, zu mir ins Wohnzimmer geholt habe.

“Aus der Verletzlichkeit ist eine große Entschlossenheit entstanden”

Wie läuft so ein Workshop konkret ab? Nimm uns bitte einmal mit durch einen typischen Klima Puzzle Workshop – vom ersten Kartenziehen bis zum Aha-Moment.
Man macht im Grunde eine Reise von Head to Hearts to Hands. Erstmal das Problem verstehen, dann den eigenen Gefühlen Raum geben und dann in Aktion treten. Insgesamt dauert der Workshop zwei bis vier Stunden. Der erste Teil – das Klima Puzzle bauen – dauert eineinhalb Stunden. Das sind 42 Karten, die die Ursachen und Auswirkungen abbilden. Diese muss man in Gruppenarbeit der Reihenfolge nach – also von Ursache bis Auswirkung – auflegen und Zusammenhänge erschließen. Gerade die letzten Karten zu den Auswirkungen sind emotional sehr berührend. Das betrifft unsere Zukunft, das betrifft uns Menschen.

Anschließend kommt die emotionale Phase, wo man sich austauschen kann. Da entsteht ein Safe und Brave Space, sagen wir gerne – wo man sich wohl und mutig genug fühlt, um auszusprechen, was das Gelernte mit einem macht. Die Ohnmacht ist das Gefühl, das am meisten vorkommt.

Im letzten Teil geht es darum, diese Ohnmacht wegzustecken und die eigene Wirkungsmacht zu entdecken. Was kann ich in der Schule bewirken? Was kann ich an der Uni oder im Büro tun? Da gibt es immer viele unterschiedliche Antworten.

Gibt es Weiterentwicklungen oder Ableger des Klima Puzzles?
Ja! Da während des Klima Puzzles viele Themen nur kurz angeteasert werden, gibt es mittlerweile über 100 sogenannte Schwester-Puzzles – es ist eine riesengroße Familie. In Österreich bieten wir auch eine Handvoll davon an: Ich mache zum Beispiel das Puzzle der Biodiversität sehr gerne, da ist ganz viel Wundersames drin. Ich bin auch ausgebildet, um das Puzzle der Kreislaufwirtschaft anzuleiten.

Gab es einen Moment in einem Workshop, der dir bis heute besonders in Erinnerung geblieben ist?
Einer der Momente, der mir bis heute stark nachgeht, war ein Workshop mit einem Team, das ausschließlich aus Frauen bestand, viele von ihnen in einem Alter, in dem die Frage nach dem Mutterwerden sehr präsent war. In der emotionalen Phase des Klima Puzzles wurde viel geweint. Die Auseinandersetzung mit dem Klimawandel hat für viele in diesem Moment eine sehr persönliche Dimension bekommen – die Unsicherheit über die Zukunft, die Sorge um kommende Generationen.

Trotz der Schwere war es ein wunderschöner Moment, weil wir das gemeinsam erlebt haben. Aus der Verletzlichkeit ist eine große Entschlossenheit entstanden. Viele haben für sich gemerkt, dass sie ihre Energie in den Klimaschutz stecken wollen, um die Zukunft aktiv mitzugestalten. Solche Momente geben mir selbst unglaublich viel Kraft und erinnern mich daran, warum ich diese Arbeit so liebe.

“Ganz ehrlich wünsche ich mir, es brächte uns nicht mehr.”

Wenn Menschen nach dem Lesen dieses Interviews selbst neugierig geworden sind: Wie kann man am Klima Puzzle teilnehmen?
In Wien und in Linz bieten wir einmal im Monat öffentliche Workshops an. Das kostet entweder 5 oder 10€, oder auch gar nichts. Für Schulen machen wir das meistens ehrenamtlich. Gerade im Bildungsbereich ist selten ein Budget da. In Graz gibt es immer wieder Angebote. Man kann uns auch auf Instagram oder LinkedIn folgen, um nichts zu verpassen.

Für Workshops im professionellen Bereich kann man uns anschreiben – das Puzzle eignet sich auch ausgezeichnet als Impuls für Nachhaltigkeitsthemen.

In welcher Verbindung steht das Klima Puzzle zum Climate Lab?
Ein paar Klima Puzzler:innen sind Mitglieder im Climate Lab. Dort entstand schnell die Idee: Das würden wir gerne mal testen! Mittlerweile gibt es im Climate Lab interne Klima Puzzler:innen, die selbst Workshops anbieten. So streut sich das Klima Puzzle – mit Schneeballeffekt und guter Laune!

Wenn wir auf das Jahr 2030 schauen – was wünscht du dir für das Klima Puzzle und seine Community?
Ganz ehrlich wünsche ich mir, es brächte uns nicht mehr. Oder dass wir auch andere Zielgruppen erreichen, die wir gerade noch nicht so gut abholen können. Und ich würde mir wünschen, dass wir auch in Österreich ein offizieller Verein geworden sind.

Über Katharina Haas: Katharina Haas studierte Transkulturelle Kommunikation mit Schwerpunkt auf Dialogdolmetschen. Während eines Erasmus-Aufenthalts in Paris kam sie erstmals mit dem Klima Puzzle in Berührung – ein Moment, der ihr Verständnis der Klimakrise grundlegend verändert hat und ihr das Gefühl gab, endlich über das nötige Wissen zu verfügen, sich aktiv einzubringen.

Was als persönliche Erkenntnis begann, entwickelte sich rasch zu einer beruflichen und gesellschaftlichen Mission: Nach einem Praktikum beim französischen Klima Puzzle-Verein brachte sie das Format nach Österreich und organisierte kurzerhand ihren ersten Workshop im eigenen Wohnzimmer. Aus dieser kleinen Runde entstand die erste Generation österreichischer Klima Puzzler:innen. Seit über fünf Jahren baut Katharina nun als Länderkoordinatorin das Klima Puzzle hierzulande auf.

Du möchtest selbst am Klima Puzzle teilnehmen?
– Dann melde dich gerne bei Klima Puzzle Österreich: austria@climatefresk.org
– Alle aktuellen Workshop-Termine findest du hier: https://linktr.ee/dasklimapuzzle

Mehr zum Thema

Warum Nachhaltigkeit ein Business Case ist

Why staying forever is not the goal

Recyclingbrot bis grüne Wände

Mit Schlacke zu grünem Stahl und Zement

Ich möchte mich bewerben. Benachrichtige mich!