Nachhaltig Bauen: Realitätscheck im Climate Lab

‏‏‎ ‎|‏‏‎ ‎Markus Palzer-Khomenko

Das Regularien Wirrwarr ist in Österreich groß, wenn es um nachhaltiges Bauen geht. Climate Lab Partner Holcim wollte deshalb wissen, wie es draußen wirklich zugeht und hat sich daher im Climate Lab zu einem Austausch mit Architekt:innen verabredet.

NaBe – ÖGNI – DGNB – CSC – OIB – BREEAM – ZiFa – EPDs – QNG und noch mehr Regularien, Kriterien und Tools gibt es inzwischen zum Thema “nachhaltiges Bauen”. Erfreulich ist dabei immerhin, dass das Thema inzwischen ernsthaft angegangen wird, nur leider eben nicht ganz koordiniert. Bei einem solchen Wildwuchs fällt es schonmal schwer, den Blick für das Wesentliche zu behalten. Genau diesen Blick möchte man aber beim Climate Lab Partner Holcim gern behalten und weiter schärfen. Schließlich hat Holcim als führender Hersteller von Zement und Beton in den vergangenen Jahren viel in die Produktentwicklung investiert, um sich rechtzeitig für die nachhaltige Baubranche von morgen zu positionieren. Ob man bei Holcim auch wirklich richtig steht, sollte nun der Austausch mit Architekt:innen im Climate Lab zeigen. Gefragt war, was in der derzeitigen Situation in der realen Planung wirklich den Ausschlag gibt.

„Nachhaltigkeit liegt uns nicht nur am Herzen, sie ist auch Teil unserer Strategie. Deshalb wollen wir wissen, welche Rolle sie für Architekt:innen spielt und wie wir ihre Bedeutung stärken können.“
Haimo Primas, CEO Holcim (Österreich)

Ist die Ökobilanzierung ein Wettbewerbsfaktor?

Zement ist ein Klimafaktor. Das liegt nicht nur am Energieeinsatz, sondern auch an Prozess-bedingten CO2-Emissionen, die sich leider nicht so einfach wegelektrifizieren lassen. Die gute Nachricht: Mit neuen Entwicklungen bei Zuschlagsstoffen, Prozessoptimierungen und weiteren Maßnahmen können die Emissionen pro Tonne um bis zu 50% gegenüber dem Durchschnittswert der Branche reduziert werden.

Wenn es um Emissionsreduktionen bei Zement und Beton geht, ist Holcim ein international führendes Unternehmen. Um den Vorsprung der eigenen Produkte auch nachweisen zu können, hat Holcim unter großem Aufwand eigene EPDs – Environmental Product Declarations – erstellt. Das sind Nachweise der Ökobilanz der verschiedenen Produkte. Diese Nachweise wurden dann im “baubook” und weiteren Tools hinterlegt und für die Branche zugänglich gemacht. Aber bringt das auch wirklich (heute schon) Vorteile im Wettbewerb oder blicken Bauherrschaften (noch) auf ganz andere Faktoren? Das wollten wir von den Architekt:innen wissen, die ins Climate Lab gekommen waren.

Bestand ist Trumpf

Die Diskussion hat gezeigt, dass sich die Rolle des Architekten in den letzten Jahren geändert hat. Man beschäftigt sich mittlerweile viel mehr mit Materialeinsatz und Materialwahl als früher. Gesucht ist jeweils das bestgeeignete Material für den Zweck. Allerdings zählt in Ausschreiben nach wie vor der Preis. Überzeugungsarbeit und gute Argumente sind gefragt, um sich trotz höherer Preise mit nachhaltigen Alternativen durchzusetzen. Hier fehlt aber oftmals die Zeit für umfassendere Diskussionen und Überlegungen, weshalb letztlich (noch zu oft) die billigste Variante im Vorteil ist.

Anders und etwas besser gelagert ist der Fall bei öffentlichen Aufträgen. Hier spielt die naBe (Kriterien für nachhaltige Beschaffung) die größte Rolle – gerade wenn es um Hoch- oder Tiefbau geht. Viel Hoffnung wird derzeit auch auf die EU-Taxonomieverordnung gesetzt, um ökologische Aspekte im Bau weiter zu stärken.

Einig war man sich, dass die Schlacht vor allem im Bestand zu gewinnen ist. Bestehende Gebäude sollten länger, besser und mehrfach genutzt werden. Im Falle des Rückbaus gilt es zunächst, Gebäudeteile und dann auch Materialien in die Wiederverwendung zu bringen. Wenn Neubau, dann ist auch die Reduktion des Materialeinsatzes ein Hebel zur Reduktion der Emissionen. Mit Fertigteil-Häusern, Skelettbauweise, Leichtbeton und weniger Schalungen ließen sich Klima- und Ökobilanzen deutlich verbessern.

Das Treffen hat gezeigt, dass das Bewusstsein auf beiden Seiten – Hersteller sowie Planer – besteht und wächst. Entscheidend für den Erfolg ökologisch besserer Produkte sind die Verfügbarkeit von Informationen über die Produkte selbst und die Schaffung nötiger Rahmenbedingungen. Der Auftrag an Hersteller und Politik scheint klar.

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