Unsichere Lieferketten und wachsende Rohstoffabhängigkeiten machen die Versorgung mit kritischen Rohstoffen zunehmend zu einer Frage wirtschaftlicher Widerstandsfähigkeit. Als kritisch gelten dabei Rohstoffe, die für die Wirtschaft besonders wichtig sind, deren Versorgung jedoch etwa durch geopolitische Konflikte, Handelsbeschränkungen oder die Abhängigkeit von wenigen Lieferländern gefährdet ist. Allein bei den Exporten ergeben sich für Österreich Abhängigkeiten und Vulnerabilitäten von beinahe 100 Mrd. Euro – pro Jahr wohlgemerkt.
Als Antwort auf diese Herausforderungen und um die Resilienz des heimischen Wirtschaftsstandortes zu stärken, rückt zunehmend der Einsatz von Sekundärrohstoffen in den Fokus. Dabei geht es nicht nur um Selten-Erden oder andere Metalle, sondern auch um Düngemittel und biobasierte Rohstoffe.
Ressourcenproduktivität und Zirkularitätsrate sollen steigen
Mit der 2022 beschlossenen Kreislaufwirtschaftsstrategie und der Industriestrategie Österreich 2035 hat die Politik bereits wichtige Grundlagen geschaffen. Bis 2030 soll die österreichische Zirkularitätsrate auf 18 Prozent steigen. Das bedeutet, dass künftig ein größerer Anteil des gesamten Materialeinsatzes durch recycelte Rohstoffe gedeckt werden soll. Gleichzeitig soll der Ressourcenverbrauch deutlich sinken.
Welches ökologische Potenzial darin steckt, zeigt etwa der Stahlsektor. Berechnungen des Weltstahlverbands zufolge können durch den Einsatz einer Tonne Stahlschrott rund 1,5 Tonnen CO₂-Emissionen und 1,4 Tonnen Eisenerz eingespart werden. Noch ressourcenschonender kann es sein, bestehende Stahlbauteile oder ganze Gebäudestrukturen weiterzuverwenden, da so der Energie- und Materialaufwand für eine erneute Herstellung vermieden werden kann.
Der zweite Fortschrittsbericht zur österreichischen Kreislaufwirtschaftsstrategie zeigt bereits erste Erfolge auf: Der Ressourcenverbrauch ist rückläufig, während die Ressourcenproduktivität und Zirkularitätsrate steigen.
Fehlende Kostenwahrheit und Planungssicherheit
Obwohl zahlreiche Ansätze zur Rohstoffrückgewinnung existieren, bleibt die wirtschaftliche Umsetzung häufig schwierig. Unternehmen, die Sekundärrohstoffe gewinnen oder verarbeiten, brauchen verlässliche Abnehmer und langfristige Planungssicherheit. Gleichzeitig konkurrieren sie mit etablierten Produktionsweisen und Primärrohstoffen, deren Preise die ökologischen Folgekosten oft nur unzureichend widerspiegeln.
Auch Qualitätsanforderungen, aufwendige Nachweispflichten und komplexe Genehmigungsverfahren können den Markteintritt erschweren. In den Diskussionen wurde deutlich, wie unterschiedlich die Probleme ausfallen können. Der zusätzliche Aufwand liegt häufig bei jenen Unternehmen, die neue, ressourcenschonende Lösungen auf den Markt bringen wollen. Die etablierten linearen Geschäftsmodelle profitieren hingegen von bestehenden Strukturen und Routinen.
Die entscheidende Frage ist daher nicht nur, welche Technologien noch entwickelt werden, sondern auch, wie sich die wirtschaftlichen Spielregeln verändern müssen.
Öffentliche Beschaffung, neue Anreize und bessere Vernetzung
Um die Kreislaufwirtschaft dennoch voranzubringen, hoffen viele Akteure auf die öffentliche Beschaffung. Bund, Länder und Gemeinden zählen zu den bedeutenden Auftraggebern der Wirtschaft. Werden bei Ausschreibungen Ressourcenschonung, Wiederverwendung und Kreislauffähigkeit stärker berücksichtigt, könnte dies die Nachfrage nach zirkulären Produkten und Dienstleistungen erhöhen und Unternehmen mehr Planungssicherheit bieten. Gerade für kleinere Unternehmen und Startups könnte ein erleichterter Zugang zu öffentlichen Aufträgen entscheidend sein, um ihre Lösungen am Markt zu etablieren.
Ein weiterer Ansatz sind digitale Ressourcenplattformen, die Unternehmen mit verfügbaren Sekundärrohstoffen und potenziellen Abnehmern zusammenbringen. Einheitliche Qualitätsstandards und digitale Produktpässe könnten zusätzlich für mehr Transparenz sorgen und den Einsatz wiedergewonnener Materialien erleichtern. Auch finanzielle Anreize wurden diskutiert. So könnten beispielsweise steuerliche Vergünstigungen den Einsatz von Sekundärrohstoffen attraktiver machen. Gleichzeitig ging es um die Frage, wie bestehende Förderungen angepasst werden könnten, die bislang ressourcenintensive Produktionsweisen begünstigen.
Einige dieser Ansätze sind bereits in der österreichischen Industriestrategie 2035 verankert. Sie sieht unter anderem vor, digitale Ressourcenplattformen mit der öffentlichen Beschaffung zu verknüpfen und die regionale Zusammenarbeit bei der Rückgewinnung und Aufbereitung von Rohstoffen zu stärken. Entscheidend wird sein, wie konsequent diese Vorhaben umgesetzt werden und ob sie den Marktzugang für zirkuläre Lösungen tatsächlich verbessern.
Infos zum Fachworkshop
Begrüßung: Lukas Kienzl (CEOs FOR FUTURE), Karin Huber-Heim (Circular Economy Forum Austria), Thomas Kaissl (Climate Lab) und Bernhard Windsperger (BioBASE).
Fachlicher Input: Manfred Mühlberger (ETA Umweltmanagement) zu den österreichischen und europäischen Rahmenbedingungen der Kreislaufwirtschaft.
World-Café-Thementische:
- Phosphor – Rückgewinnung und Nutzung: Felix Bein (Wien Energie), mit Fokus auf Phosphorrecycling aus Klärschlamm.
- Schrott und Metalle: Johanna Roniger (KONTEXT), zu Sekundärmetallen, Wiederverwendung und industrieller Nutzung.
- Bioökonomie und biobasierte Rohstoffe: Michael Kunz (KremsChem), Chancen und Herausforderungen beim Einsatz biobasierter Materialien.
- Rahmenbedingungen und Marktgestaltung: Manfred Mühlberger (ETA Umweltmanagement), über wirtschaftliche Anreize und bessere Marktbedingungen für Sekundärrohstoffe.


