“Schon wieder ein Laufevent“, könnte man sich denken. Was macht den Climate Run besonders?
Der Vienna Climate Run ist bereits jetzt Europas größte Laufveranstaltung für den Klimaschutz. In Österreich gibt es keine andere vergleichbare Laufveranstaltung mit diesem Schwerpunkt. Auch das Konzept selbst ist ungewöhnlich. Wir verbinden drei Formate miteinander.
Das erste ist der Hauptlauf für Erwachsene, der Vienna Climate Run. Mit den zurückgelegten Kilometern unterstützen wir den Schutz von Waldflächen. Ein Teil des Startgeldes fließt außerdem in ein Klimaschutzprojekt der Caritas. Hinzu kommt der Kinderlauf Bee Happy Run. Mit der Teilnahme der Kinder unterstützen wir Bienenweiden im Raum Wien sowie die Wiener Feuerwehrjugend. Das dritte Element ist der Virtual Climate Run, an dem man von überall auf der Welt teilnehmen kann.
Wie ist die Idee zum Vienna Climate Run entstanden?
Diese Frage habe ich mir selbst schon oft gestellt. Die Idee entstand Ende 2024. Damals lagen die Wiederwahl von Donald Trump und die schweren Überschwemmungen in Österreich gerade hinter uns, von denen Niederösterreich, Wien und weitere Teile des Landes betroffen waren. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, dass der Klimaschutz in der gesellschaftlichen Wahrnehmung an Bedeutung verloren hatte. Weil mir Klimaschutz persönlich sehr wichtig ist, hat all das etwas in mir ausgelöst. Das waren die äußeren Faktoren.
Gleichzeitig treibe ich sehr gerne Sport und beschäftige mich als Energiemanager auch beruflich mit Klimaschutz. Ich habe zwei Kinder, deshalb ist die Zukunft der nächsten Generation für mich ebenfalls eine wichtige Motivation. Irgendwann kamen diese persönlichen und beruflichen Aspekte zusammen. Dabei wurde mir auch bewusst, dass es in Europa kaum Laufveranstaltungen gibt, bei denen der Klimaschutz tatsächlich im Mittelpunkt steht. So entstand die Idee.
Brauchen wir eine neue Art, über Klimaschutz zu kommunizieren?
Ich denke schon. Die Kommunikation über Klimaschutz ist sehr stark mit Angst, Schock und Krisenstimmung verbunden. Dafür gibt es natürlich reale Gründe, und dieser Ansatz ist auch legitim: Er macht deutlich, wie ernst die Lage ist.
Gleichzeitig kann diese Art der Kommunikation unsere Handlungsmöglichkeiten bis zu einem gewissen Grad einengen. Manche Menschen lähmt sie regelrecht. Sie fragen sich: „Wie soll man da überhaupt wieder herauskommen?“ Und wer sich gelähmt fühlt, wird nicht unbedingt zum Handeln motiviert. Deshalb finde ich die Frage spannend, was passiert, wenn wir Menschen über Sport, Unterhaltung und positive Emotionen erreichen.
Vergangenes Jahr haben wir unseren ersten Lauf veranstaltet. Es war beeindruckend zu sehen, wie viel Freude und positive Energie bei den Menschen zu spüren waren. Genau das möchte ich auch erreichen: Die Menschen sollen nach dem Lauf mit positiven Gefühlen nach Hause gehen. Und vielleicht machen sie danach aus eigener Motivation den nächsten Schritt – ohne dass ihnen jemand vorschreibt, was sie tun sollen.
Ihr arbeitet auch mit Schulen zusammen. Wie funktioniert das in der Praxis?
Uns ist wichtig, Schulen als Multiplikatoren zu verstehen. Kinder sind die Zukunft, und vieles beginnt mit Bildung. Was sie lernen, tragen sie mit nach Hause – zu ihren Eltern und manchmal sogar zu ihren Großeltern.
Den Virtual Climate Run entwickeln wir deshalb unter anderem so weiter, dass sich auch Schulen unkompliziert beteiligen können. Für die Teilnahme stehen zehn Tage zur Verfügung. Unser Motto lautet „1,5 Wochen für den Klimaschutz“ – eine Anspielung auf das 1,5-Grad-Ziel.
Das gibt den Lehrkräften viel Spielraum. Sie können zum Beispiel eine Sportstunde nutzen, mit der Klasse laufen gehen oder auch nur symbolisch eine Runde auf dem Sportplatz drehen. Auf unserer Website stellen wir Pädagoginnen und Pädagogen außerdem kostenloses Unterrichtsmaterial zur Verfügung, das sie vor oder nach dem Lauf in den Unterricht integrieren können.
Ihr unterstützt ja verschiedene Klimaschutzprojekte – was passiert eigentlich mit den Einnahmen genau?
Wir legen großen Wert auf Transparenz. Pro Teilnehmerin bzw. Teilnehmer gehen 10 Euro des Startgeldes an das Klimaschutzprojekt der Caritas. Die Höhe der Unterstützung lässt sich damit ganz einfach nachvollziehen: Man nimmt die Zahl der Teilnehmenden und multipliziert sie mit zehn. Beim Virtual Climate Run ist der Betrag etwas niedriger, weil dort auch das Startgeld geringer ist. Aber auch hier ist transparent nachvollziehbar, welcher Betrag weitergegeben wird.
Beim Waldschutz gilt das Prinzip: Für jeden zurückgelegten Kilometer unterstützen wir den Schutz von einem Quadratmeter Wald. In diesem Jahr können die Teilnehmenden zwischen einem Regenwaldprojekt in Costa Rica und dem Schutz eines Waldes in der Steiermark wählen. Nach dem Lauf veröffentlichen wir auf unserer Website einen Nachweis über die Spende. Bereits am Veranstaltungstag werden wir genau wissen, um welche Summe es sich handelt.
Muss man sehr trainiert sein, um mitzulaufen?
Wir haben den Vienna Climate Run bewusst sehr niederschwellig angelegt. Weil der Klimawandel uns alle betrifft, war mir wichtig, dass wirklich jede und jeder teilnehmen kann – unabhängig davon, wie sportlich jemand ist oder wie regelmäßig er oder sie trainiert.
Beim Kinderlauf können bereits die Jüngsten mitmachen, bis zum Alter von 14 Jahren. Im vergangenen Jahr war der jüngste Teilnehmer, wenn ich mich richtig erinnere, gerade einmal zweieinhalb Jahre alt. In diesem Jahr gibt es zwei Kinderläufe, den Bee Happy Run Minis und Juniors. Im vergangenen Jahr war es noch ein Lauf.
Der Hauptlauf startet um 10:30 Uhr, wobei mehrere Zeitfenster zur Auswahl stehen. Entscheidend ist aber: Jede und jeder läuft so lange, wie es sich gut anfühlt. Man kann jederzeit aufhören; eine verpflichtende Distanz gibt es nicht. Beim Hauptlauf soll in diesem Jahr sogar eine 96-jährige Person an den Start gehen. Das finde ich wirklich beeindruckend.
In diesem Jahr nehme auch ich zum ersten Mal am Lauf teil. Was rätst du mir?
Viel gute Laune. Und ich würde dir raten, nicht zu schnell zu starten. Das richtige Tempo ist eines, bei dem du dich beim Laufen noch unterhalten kannst.
Inzwischen habt ihr auch prominente Unterstützung gewonnen. Wer sind eure VIPs in diesem Jahr?
Auf der Bühne werden unter anderem Leonore Gewessler, Valerie Huber und Marina Haydn von der Donut Economy – die ja auch zur Climate Lab Community gehört – dabei sein. Außerdem gibt es wieder das Climate Village, das für uns ein wichtiger Bestandteil der Veranstaltung ist. Dort präsentieren sich rund 20 bis 30 Aussteller. Geplant sind Kinderprogramme und spielerische Angebote; die Wiener Feuerwehr kommt beispielsweise mit einem Feuerwehrauto, außerdem sind die Wurmkiste, das Klimabündnis und weitere Organisationen und Initiativen vertreten.
Jede Menge Organisationen also. Setzt ihr bewusst auf NGOs?
Die Veranstaltung soll ein Treffpunkt für Umwelt-NGOs, die Zivilgesellschaft und Organisationen wie das Climate Lab oder das Klimabündnis sein, die sich für eine lebenswertere Zukunft einsetzen. Diesen Geist möchte ich auf jeden Fall bewahren.
Gilt das auch für Unternehmen?
Ja. Wir möchten den Vienna Climate Run gern auch als Business Run weiterentwickeln. Darin sehe ich enormes Potenzial. An diesem Tag soll vor allem die Lebensfreude im Mittelpunkt stehen. Unternehmen können ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einbeziehen und sie motivieren, selbst Teil dieser Bewegung zu werden.
Wie und wo kann man den Climate Run unterstützen?
Eigentlich überall. Wir sind auf LinkedIn, Instagram und Facebook vertreten. Folgt uns, teilt unsere Beiträge und kommentiert sie. Genauso wichtig ist natürlich die persönliche Weiterempfehlung – und natürlich das Mitlaufen und Bewegung reinbringen!
Die Anmeldung zum 2. Vienna Climate Run endet am 24. September. Alle Informationen und den Link zur Anmeldung finden Sie hier.
Stephan Neuberger ist Gründer und Initiator des Vienna Climate Run und ausgebildeter Energie- und Umweltmanager. Mit der Initiative verbindet er Klimaschutz mit Sport und Gemeinschaftserlebnissen und verfolgt zugleich einen neuen Ansatz in der Klimakommunikation: Statt Angst in den Vordergrund zu stellen, möchte er Menschen durch positive Erlebnisse, Freude und Motivation für den Klimaschutz begeistern.