Österreich – und die ganze Welt – steht in der Wärmewende vor einer Mammutaufgabe. Binnen weniger Jahre müssen hierzulande hunderttausende Gebäude thermisch saniert und Heizsysteme getauscht werden. In Wien fungiert der wohnfonds_wien als Abwicklungsstelle für geförderte Wohnhaussanierungen und unterstützt mit dem kostenlosen Beratungsservice “Hauskunft” sanierungsinteressierte Personen. Die Frage, wie man vorbildliche Pilotprojekte in die breite Umsetzung bringen kann, ist daher auch für den wohnfonds_wien von größtem Interesse. Beim Stakeholder-Workshop im Climate Lab waren folglich Antworten, Ideen und Anregungen gefragt, wie der wohnfonds_wien hier stärker unterstützend wirken kann.
Bürokratie – Bremsklotz und Hebel zugleich
Ein Übeltäter, der einer raschen Umsetzung von Sanierungen im Weg steht, wurde schnell gefunden: die Bürokratie. Überraschend kommt das natürlich nicht, schließlich zählen Gesetze und Normen in fast allen Fragen der Wirtschaftswende zu den meistgenannten Bremsklötzen. Interessanter ist dann schon die Frage, wo genau hier die besten Hebel sind und wie man sie richtig betätigt, um die Bremsen zu lösen.
Ein Hebel könnte die Beschleunigung von Bauverfahren sein. Von der Einreichung bis zur Umsetzung dauert es teilweise Jahre, vor allem dann, wenn Umwidmungen im Rahmen der Sanierung durchgeführt werden müssen. Mehr Flexibilität bei Planänderungen und Anpassungen – die man beim Sanieren manchmal braucht – könnten Zeit und Geld sparen. Der Denkmalschutz erschwert Sanierungen in vielen Bestandsgebäuden in Wien, hohe Vorgaben für Brandschutz verhindern Begrünungen. Ein weiterer Hebel wäre die Vereinheitlichung der Bauordnungen – derzeit bestehen noch deutliche Unterschiede zwischen den Ländern, was eine Skalierung von Sanierungsprojekten über Landesgrenzen hin teilweise erschwert.
Auch um eine Modernisierung mancher Normen wird man nicht herumkommen. Wärmepumpe, Erdwärmesonden und Co. sind vergleichsweise neue und innovative Systeme auf dem Markt, die noch bei weitem nicht überall mitgedacht werden. Anpassungen in den wohnrechtlichen Rahmenbedingungen werden ebenfalls als mögliche Stellschrauben genannt.
Wichtige Faktoren sind auch das Ausschreibungsverfahren und die zugrunde liegenden Kriterien. Diese sind derzeit noch sehr preisorientiert. Kreative oder innovative Lösungen haben es da schwer. Hier könnte man die Ökobilanzierung, Klimawirkung und Qualität in Zukunft stärker gewichten, um auch für innovative Lösungen mehr Raum und bessere Chancen zu schaffen.
Was zählt, ist das Ergebnis
Klar scheint, dass ohne Förderungen die großflächige Umsetzung kaum möglich ist. Gefragt sind daher Finanzierungsmodelle, die die meiste und beste Wirkung entfalten. In Deutschland hat man hier mit dem sogenannten KfW55-Modell einen Ansatz gewählt, bei dem es auf die Zielwerte ankommt. Was zählt, sind Werte wie die erreichte Energiekennzahl oder der Heizwärmebedarf am Ende – unabhängig davon, mit welcher Technik das erreicht werden kann. Mehr Flexibilität und Kreativität könnte auch bei Finanzierungsmodellen (etwa durch Banken) helfen. Hier sind Konzepte wie etwa das Energiecontracting – eine Refinanzierung über eingesparte Energiekosten – denkbar.
Der Workshop und Austausch hat gezeigt: Die Branche ist bereit, die Innovation der Pilotprojekte und Leuchttürme in Serie gehen zu lassen. Der wohnfonds_wien kann hier in einigen Bereichen eineSchlüsselrolle des Möglichmachers einnehmen. Gemeinsam kann es gelingen, die besten Hebel zu finden und Sanierung in Wien (und Österreich) so richtig hochzufahren. Nicht nur das Klima, sondern auch die Wirtschaft und der Jobmarkt würden das jedenfalls begrüßen.