Wie können Akteure wie die Öffentlichkeit, Verwaltung und der private Sektor am besten zusammenarbeiten um in Richtung einer klimapositiven Zukunft voranzuschreiten? Es sind Fragen wie diese, die auch in unserer interaktiven Session mit 3 Thementischen zu Biodiversität im Rahmen der Impact Days Diskussionspotential brachten.
Warum und wie investieren andere Unternehmen bereits heute in Biodiversität?
Für Unternehmen ist Biodiversität von zunehmender Bedeutung, nicht nur aus Reputationszwecken, sondern auch als Risikomanagement-Tool und Teil der Klima-Kommunikation. Die Kunden treiben diesen Prozess an und sind – ebenso wie regulatorische Rahmenbedingungen – ein Faktor für Veränderung. Best Practice Beispiele gibt es schon in verschiedensten Bereichen und sie betreffen häufig die Begrünung von Dächern der Unternehmen – sei es das Projekt “Grüne Dächer Post Tirol”, aber auch Renaturalisierungskonzepte wie “Renaturierung in Wels” oder das “Billa Begrünungshandbuch”.
Welche Rahmenbedingungen brauchen Unternehmen, um noch schneller und mehr in Biodiversität zu investieren?
Unternehmen stehen bei ihrem Engagement vor verschiedenen Hürden, sowohl praktischer als auch struktureller Natur. Einerseits ist die Zusammenarbeit mit Behörden, Wissenschaft und Wirtschaft oft komplex. Andererseits entstehen Kosten und Aufwand durch Auflagen und Gesetze. Diese können mittels Förderungen sowie praxisnaher Handlungsanweisungen oft den Weg in Richtung Biodiversität ebnen und zur Umsetzung motivieren. Zudem ist es in der Lösungsfindung auch wichtig, die Stakeholder wie Magistrate, WWF, ÖBAG, Bundesministerien und andere Beteiligte an einen Tisch zu holen und systemische Lösungen zu finden.
Wie können auch Bürger:innen in Biodiversitätsprojekte eingebunden werden?
Es ist wichtig, die Menschen einzubinden, in deren Lebensraum Biodiversitätsprojekte gestartet werden. Dabei darf mehr Wert auf transparente Kommunikation, echte Mitsprache und auch greifbaren Mehrwert gesetzt werden. Das sorgt für Akzeptanz und Mitgestaltung. Best Practices sind beispielsweise die Wiener Grätzl Oasen, wo Menschen aus der Nachbarschaft Grüne Zonen mitgestalten können, aber auch andere Projekte wie Biodiversität@Wiener Linien leisten ihren Beitrag. Wichtig dabei ist die Beteiligung auf Augenhöhe, gemeinsames Vertrauen zu schaffen und konkrete Beteiligungsmöglichkeiten anzubieten.

“Investing in Nature”: Finanzwelt trifft Artenvielfalt
Auch auf in einer weiteren Session – dieses mal auf der Climate Stage – stand die Biodiversität im Fokus. Moderator Paul Chatterton eröffnete mit einer zentralen Frage: „Wie kann man die Sprache der Finanzwelt mit der Sprache der Biodiversität verknüpfen?“ Zu Wort kamen vier hochkarätige Speaker zu der Frage, wie Kapital so eingesetzt und umgeschichtet werden könne, dass es zur Förderung von Projekten im Sinne der Biodiversität beitragen kann.
Dabei wurde klar: Das Bewusstsein in Wirtschaft und Politik wächst – doch zwischen Erkenntnis und wirklicher Veränderung liegt noch ein weiter Weg. Aktuell werden jährlich rund 6 Billionen US-Dollar in klimaschädliche Projekte investiert – demgegenüber stehen nur 200 Milliarden US-Dollar für klimapositive Initiativen. Dieser massive Unterschied zeigt: Es gibt viel zu tun, aber auch erste ermutigende Signale. So investiert beispielsweise der norwegische Pensionsfonds zunehmend in Projekte unter dem Leitmotiv #natureriskfilter. Die Bewegung ist eine Initiative von WWF, die den WWF Biodiversity Risk Filter (BRF) 2023 ins Leben gerufen hat. Es handelt sich dabei um ein kostenloses Online-Tool, das Unternehmen und Finanzinstitutionen dabei unterstützt, die Risiken der Aktivitäten in Zusammenhang mit der Biodiversität zu sehen und Maßnahmen zu ergreifen.
Maria Amalia Souza – Fundo Casa Socioambiental
Die brasilianische Aktivistin betonte die Bedeutung von Investitionen in indigene Gemeinschaften. Ihre Organisation arbeitet nicht mit vorgefertigten Konzepten von einer Hand voll internationaler Non Profit Organisationen, sondern fördert das Handeln innerhalb der Communities vor Ort, das aus der Kultur, den Bedürfnissen und Visionen der lokalen Bevölkerung entsteht. Das Projekt unterstützt indigene Territorien auf einer Fläche von 65 Millionen Hektar – das entspricht dem Achtfachen der Fläche Österreichs. Sie betonte auch in ihrem Beitrag, wie wichtig es sei, den Amazonas Regenwald zu schützen, nicht nur des Amazonas wegen, sondern auch für die gesamte Menschheit. Ihr Credo: „Der Amazonas ist das Herz des Planeten und pumpt Wasser in die Atmosphäre, wir können den Amazonas nicht kollabieren lassen.“
Elise van Middelem – SUGi
Mit ihrer NGO initiiert Elise weltweit sogenannte Pocket Forests – kleine, urbane Wälder in über 240 Städten und 40 Ländern. Diese Mini-Wälder schaffen nicht nur Lebensräume und verbessern die Luft- und Wasserqualität, sondern bringen auch Gesundheit, Nahrung und Verbindung zur Natur zurück in oft sterile Stadtviertel. Biodiversität als Teil urbaner Resilienz ist ihr Schlüsselansatz. Ihre Botschaft: „Kreiere Biodiversität, Klimaresilienz und einen Wohlfühlfaktor in der Gesellschaft.”
Ronald Würflinger – Blühendes Österreich
Als Vertreter einer der wenigen privaten Stiftungen im Umweltbereich in Mitteleuropa, zeigte Würflinger, wie die Unternehmenswelt zur Wiederherstellung von Natur beitragen kann. Unterstützt durch den Lebensmittelkonzern REWE investiert die Stiftung in Renaturierungsprojekte auf Bauernhöfen, Flüssen und in den Alpen. Mit Blick auf kommende Regelwerke für eine klimafreundliche Zukunft und Bilanzierung ist dieses Engagement zukunftsweisend. Auch kommunizierte Ronald Würflinger, dass es in Österreich nur circa 700 Non Profit Organisationen gebe, wovon sich nur fünf bis zehn mit Naturschutz auseinandersetzen. Es gäbe aber sehr viel Potenzial – auch in Österreich, betont er. Er ist überzeugt: „Wenn wir Geld freisetzen wollen, müssen wir zuerst Menschen und Gemeinschaften bewegen. Wir haben nur noch 4–5 Jahre – überzeugt die Menschen und redet über Veränderung.“
Gavin Edwards – Nature Positive Initiative
Gavin setzt sich für die Schaffung einer gemeinsamen Sprache für Biodiversität ein. Seine Initiative arbeitet daran, weltweit verständliche, einfache und praktikable Kennzahlen für nature positive Entwicklung zu etablieren, die auf lokaler, regionaler und globaler Ebene funktionieren. Nur so kann Biodiversität Eingang in Investitionsentscheidungen von Unternehmen, Regierungen und Fonds finden. Er glaubt: „Net Zero ist nicht genug – wir müssen nature positive Systeme aufbauen.“
Der Wandel hat begonnen – aber wir brauchen Tempo
Die Impact Days 2025 haben einmal mehr gezeigt: Der Wille zur Veränderung ist da – von lokalen Gemeinschaften im Amazonas bis hin zu globalen Investitionsstrategien über regionale Gestaltungskonzepte. Dieser Wandel braucht Tempo, Mut, konstruktive Zusammenarbeit und vor allem neue Finanzierungsmodelle, die den Wert von Biodiversität nicht nur anerkennen, sondern aktiv fördern. Biodiversität ist kein „nice to have“ – sie ist ein Investment in unsere gemeinsame Zukunft, die wir zusammen gestalten müssen.
Die Impact Days sind Teil des Wiener Start-up-Festivals ViennaUp der Wirtschaftsagentur Wien.
Autorin: Jacqueline Riecker & Impact Redaktion
Fotos: Steph Don, Markus Palzer-Khomenko