Zero Waste Austria: Ressourcenschonung ohne Stress

‏‏‎ ‎|‏‏‎ ‎Petra Hausherr

Zero Waste Austria setzt auf Bewusstseinsbildung, Ressourcenschonung und Inklusion und zeigt, dass ein nachhaltiger Alltag keine Frage des Geldbeutels sein muss. Wir haben mit Daniela Hinteregger, Obfrau des Vereins und Climate Lab Ökosystempartners, gesprochen.

Ein nachhaltiger Lifestyle gilt oft als Privileg – zu teuer, zu aufwändig. Wie seht ihr das bei Zero Waste Austria?
Das bekommen wir sehr oft gespiegelt und wenn man sich Zero-Waste-Shops oder Unverpackt-Läden anschaut, ist es leider so, dass es preislich für viele zu teuer ist. Aber da sind nicht nur wir in der Verantwortung, sondern auch die Politik und die Unternehmen. Es kann ja nicht sein, dass ein nachhaltiger Lebensstil nicht für alle zugänglich ist. In unseren Workshops versuchen wir zu zeigen: Ihr müsst jetzt nicht alle Plastikbehälter rauswerfen und euch auf Alu umstellen. Nehmt einfach, was da ist, und fragt euch: Brauche ich das wirklich? Was ist das Nachhaltigste? Wenn man nicht weit weg auf Urlaub fährt. Wenn man sich nicht den zehnten Pullover kauft. Wenn man das fünfte Buch vielleicht secondhand besorgt.

Das spart alles Geld, aber manchmal kostet “nachhaltig” dann doch mehr, oder?
Natürlich gibt es Grenzen. Einer Mutter, die einen sehr gering bezahlten Job hat und zwei Kinder, kann ich nicht sagen, dass sie jetzt die biologisch hochwertigsten Lebensmittel kaufen soll. Aber dort, wo es geht, wollen wir Schritt für Schritt begleiten und den Stress nehmen – nicht erhöhen.

Jetzt werden aber inzwischen viele Menschen schon allein durch das Wort Nachhaltigkeit gestresst. Spürt ihr, dass die gesellschaftliche Stimmung da schwieriger geworden ist?
Nachhaltigkeit ist ein weiter Begriff, und jeder hat da einen anderen Zugang. Was wir schon merken: Dieses Gefühl von Machtlosigkeit ist nach wie vor in der Gesellschaft verankert. Die Weltsituation macht es vielen noch schwerer. Das Gefühl von „Was bringt das jetzt noch?“ Das ist für unsere Arbeit natürlich ermüdend.

Dazu kommt, dass es viele wichtige Themen gibt, die berechtigterweise gleichzeitig um Aufmerksamkeit kämpfen: Gender Equality, Frauenrechte, Diversität. Da geht man schnell unter. Und dann ist da noch Social Media: Wir sind dort aktiv, weil wir so die meisten Leute erreichen.

Der Konsumgedanke ist dort leider Gottes sehr verankert. Der Algorithmus, die tausenden Angebote, die Influencer:innen, die einen anderen Lifestyle zeigen. Dem als Einzelperson zu entkommen braucht viel Motivation und Standhaftigkeit. Und trotzdem: Als ich zuletzt in einer Schule war, hatten alle Kinder ihre Wasserflaschen mit und sie wussten auch, warum. Das stimmt mich hoffnungsvoll. Es passiert was, aber es geht zu langsam.

„Wir setzen einen Schritt vor der Mülltrennung an, sodass der Müll gar nicht erst entsteht.“

Ihr seid also mit euren Angeboten auch an Schulen aktiv?
Wir machen Workshops für die Community, für Schulen und Unternehmen. Unser wichtigstes Standbein ist Bewusstseinsbildung zu allen möglichen Themen rund um Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft. Wir stellen kostenloses Wissen zur Verfügung, sei es zu Fair Fashion, Food Waste oder Zero Waste im Alltag.

Daneben sind wir in größeren Projekten aktiv, aktuell in einem EU-Projekt rund um Lebensmittelverschwendung entlang der Wertschöpfungskette – vom Samen bis zum Produkt. Und wir bieten kleinen, nachhaltigen Unternehmen Mitgliedschaften an: Sie können von unserem Netzwerk und unserer Community profitieren. Privatpersonen können ebenfalls Mitglied werden und erhalten Rabatte bei Partnerbetrieben. Wir wollen, dass es leichter wird, in dieses Leben einzusteigen.

Was wir bewusst nicht machen: Mülltrennungs-Workshops. Dafür gibt es die MA 48, die das großartig macht. Wir setzen einen Schritt vor der Mülltrennung an, sodass der Müll gar nicht erst entsteht.

“Wir sind sehr stolz, dass so viele schon so lange dabei sind”

Wie ist Zero Waste Austria eigentlich entstanden? Wie kam es zu der Idee?
Die Idee entstand 2015 – da gab es die Zero-Waste-Bewegung aus Amerika, die nach Europa geschwappt ist. Es ging wirklich um Minimalismus, Ressourcenschonung. Es war ein richtiger Hype! Bea Johnson hat damals ihr Zero-Waste-Buch herausgebracht, viele haben experimentiert, wie viel Müll sie wirklich brauchen. In Österreich hat das dann Helene Pattermann aufgegriffen, die ja jetzt inzwischen im Climate Lab den Circularity-Lead hat und 2017 den Verein offiziell gegründet hat. Ich bin seit 2020 dabei.

Über die Jahre hat sich der Fokus weiterentwickelt. Es geht längst nicht mehr nur darum, Müll zu vermeiden, sondern viel früher anzusetzen, und zwar mit der Frage: Brauche ich das wirklich? Der Earth Overshoot Day macht das Jahr für Jahr gut sichtbar: Wir verbrauchen unsere Ressourcen jedes Jahr früher. Das kann so nicht weitergehen. Deswegen beschäftigen wir uns heute mit Themen wie Food Waste, fairer Mode und Kreislaufwirtschaft und versuchen, das barrierefrei und inklusiv zu vermitteln. Es kann jeder einen Teil dazu beitragen, es gibt für jeden kleine Hacks.

Wer steckt hinter dem Verein?
Ich leite Zero Waste Austria seit etwa drei Jahren als Obfrau, gemeinsam mit meiner Stellvertreterin Nina. Wir haben zwischen 15 und 25 ehrenamtliche Mitglieder. Das klingt viel, aber natürlich trägt jede Person einen kleinen Teil bei. Wir sind aber sehr stolz, dass so viele schon so lange dabei sind und dass es immer wieder neue Personen gibt, die mitarbeiten wollen.

Was sind eure größten Herausforderungen zurzeit?
Finanzen sind natürlich immer ein Thema. Ohne Projekte würde der Verein nicht funktionieren und da sind wir sicher nicht die Einzigen. Die Spendenbereitschaft ist nicht mehr so gegeben wie früher, auch kleinere Mitgliedschaften sind eine Herausforderung. Was uns fehlt, wäre zum Beispiel eine Basisfinanzierung. Wenn eine Organisation einfach eine geringfügige Stelle für ein Jahr finanziert, würde das enorm helfen. Dann hat man die klassischen Vereinsthemen abgedeckt, und Projekte kommen on top.

Und wie sieht eure Vision für die Zukunft aus?
Unsere Vision ist es, Bewusstseinsbildung rund um Ressourcenschonung und Zero Waste inklusiv, barrierefrei und ganzheitlich zu gestalten und für alle zugänglich zu machen. Wer uns dabei unterstützen möchte: Mitgliedschaft abschließen, spenden oder einfach Werbung für uns machen. Das hilft schon sehr.

Daniela ist seit 2020 bei Zero Waste Austria und leitet den Verein seit rund drei Jahren als Obfrau. Aufgewachsen am Bauernhof, wollte sie früh etwas zurückgeben und fand in der Ressourcenschonung ihr Herzensthema. Sie ist überzeugt, dass Kreislaufdenken einer der wichtigsten Hebel für eine lebenswerte Zukunft ist, wenn nicht sogar der wichtigste.

Links: 

Titelbild: Masha Lind

Mehr zum Thema

What we’ve learned about wellbeing at work

Smarte Netze für Österreichs Energiewende

Was die Verpackungswende für Unternehmen bringt

Nachhaltige Beschaffung als Hebel der Transformation

Ich möchte mich bewerben. Benachrichtige mich!