Refurbishing: Ein neues Leben für deine Möbel

‏‏‎ ‎|‏‏‎ ‎Alexandra Krämer

Unsere Möbel könnten länger leben. Viel zu früh landen sie beim Recycling oder werden mitsamt dem ungenutzten Potential verbrannt. Neue Forschung zeigt: Möbel-Refurbishment kann den Geldbeutel und Ressourcen schonen und schafft mehr Wert auf ganzer Linie.

Musstest du dich auch schon einmal schweren Herzens von einem geliebten Sessel trennen? Vielleicht war es auch ein Sofa, auf dem du viel Zeit verbracht hast und das dir gute Dienste geleistet hat. Und dann kam irgendwann der Moment. Ein Umzug stand an und in der neuen Wohnung war kein Platz mehr oder dir war einfach nach etwas Neuem zumute.

Du hast noch versucht, das Möbelstück über Plattformen wie willhaben.at zu verkaufen, aber das Sofa war dann doch schon zu durchgesessen, um für jemand anderes noch von Nutzen zu sein. Schade eigentlich, da die Polster und das verbaute Holz ja noch gut erhalten sind. Nur die Federn haben mit der Zeit etwas an Sprungkraft eingebüßt. Du entscheidest dich für die Entsorgung.

Solche Situationen sind Alltag. In Österreich sind im Referenzjahr 2023 350.000 Tonnen Sperrmüll angefallen. Das entspricht ungefähr der Masse eines Wolkenkratzers wie des DC Towers 1 in Wien. Davon waren rund 30 % Möbel. Mehr als die Hälfte des Sperrmülls wurde thermisch verwertet, also verbrannt, und nur etwa 1 % wurden recycelt. Du denkst dir, das muss doch besser gehen?

Was mit Möbeln vor dem Recycling noch möglich ist

Tatsächlich sind viele Möbelstücke beim Aussortieren noch in einem guten Zustand. Oft sind es kleinere Schäden, einfache Abnutzungserscheinungen oder schlicht veränderte Bedürfnisse, die dazu führen, dass wir uns von ihnen trennen. Das bedeutet, für ein Recycling wäre es eigentlich noch zu früh. Genau hier setzt ein Konzept an, das bisher vor allem aus der Elektronik bekannt ist: das Refurbishment.

In der Logik der Kreislaufwirtschaft gehört Refurbishment zu den sogenannten R-Strategien. Ziel dieser Strategien ist es, zuerst die eigenen Kaufentscheidungen zu hinterfragen (Refuse, Rethink, Reduce) und dann, wenn sich ein Produkt im eigenen Besitz befindet, dessen Lebensdauer so lange wie möglich zu erhalten (Reuse, Repair, Refurbish, Remanufacture, Repurpose) und selbst am Ende der Lebensdauer noch einen möglichst großen stofflichen und energetischen Wert daraus zu schöpfen (Recycle, Recover).

Ein Beispiel für ein Unternehmen, das Refurbishment im Elektronikbereich betreibt, ist refurbed.at. Refurbed sammelt gebrauchte Smartphones, Laptops oder Tablets, überprüft sie und bereitet sie professionell auf. Anschließend bietet refurbed die Geräte zu einem günstigeren Preis zum Wiederverkauf an. Das Ergebnis ist eine Win-Win-Win-Situation. Ein Unternehmen, das Refurbishment anbietet, kann mehrmals Wert aus einem Produkt schöpfen. Abfall wird vermieden und Ressourcen werden geschont. Die Kundschaft spart sich Geld und das schlechte Gewissen.

Neue Wege für ein professionelles Refurbishment von Möbeln

Was bei Elektronik bereits gut funktioniert, ist bei Möbeln allerdings noch weniger etabliert. Im Rahmen der nationalen FTI-Ausschreibung Kreislaufwirtschaft und Produktionstechnologie vom Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) wurde daher via FFG ein Forschungsprojekt in Auftrag gegeben. Untersucht wurde das Potenzial des Refurbishments im Möbelbereich von der Fachhochschule Wiener Neustadt in Zusammenarbeit mit dem Institute of Design Research Vienna, dem Fachverband der Holzindustrie Österreichs und dem Climate Lab. Die Ergebnisse der Studie zeigen: Refurbishment birgt ein großes Potenzial, auch im Möbelbereich zukünftig ressourcenschonender und nachhaltiger zu handeln.

Für Geschäftskunden gibt es bereits nennenswerte Good-Practice-Beispiele im Bereich Büromöbel. Dazu zählt etwa der österreichische Anbieter Reoffice, der bei Umsiedlungen und Entrümpelungen zum Einsatz kommt und auch gebrauchte, refurbishte Büromöbel verkauft. In Deutschland gibt es beispielsweise Fenyx, die eine Plattform für große Unternehmen anbieten, über die der Bestand, die Wiederverwendung und die Entsorgung von Büromöbeln gemanagt werden kann. Für Privatpersonen gibt es neben klassischen Möbelrestaurierungsanbieter:innen – meist für hochwertige antike Holzmöbel – noch wenig professionelles Refurbishing-Angebot.

Was es gibt, sind Second-Hand-Initiativen – beispielsweise vom Climate Lab-Partner IKEA. Der schwedische Möbelhersteller hat ein Rückkaufsystem für gut erhaltene Möbelstücke der eigenen Marke initiiert und eine Kund:innenbefragung dazu durchgeführt. Rund 60 % der befragten Kundschaft zeigten sich bereit, Second-Hand-Möbel zu kaufen. Der Grund: gebrauchte Möbel sind günstiger und ressourcenschonender als Neuware.

Ein Refurbishment hat jedoch im Vergleich zum reinen Weiterverkauf von Second-Hand-Ware entscheidende Vorteile. Durch das professionelle Verfahren kann sichergestellt werden, dass die Möbel intakt sind, dass sichtbare Gebrauchsspuren durch die Aufbereitung möglichst entfernt werden, dass eine erneute Garantie gewährt werden kann und dass der Transport erleichtert wird.

Weichenstellungen für die Praxis

Das Konzept ist vielversprechend. In der Praxis stoßen Refurbishing-Pionier:innen allerdings noch auf Herausforderungen. Möbel sind oft sperrig und aufwändig im Transport. Jedes Stück ist einzigartig und erfordert eine fachkundige Restaurierung. Teilweise sind die Möbel auch schlichtweg nicht für eine Aufbereitung geeignet, weil sie zu sehr verklebt sind oder weil adäquates Ersatzmaterial nicht verfügbar ist. Rechtliche Rahmenbedingungen fehlen noch. Kurzum: Als professionelle Möbel-Refurbisher:in hat man es noch nicht leicht, in einem System zu überleben, das auf massenhafte Produktion, schnellen Verkauf, kurze Nutzung, unreflektierte Entsorgung und Neukauf ausgelegt ist.

Nachhaltige zirkuläre Geschäftsmodelle sind deshalb noch stark auf politische Weichenstellung in Form von Förderungen, Investitionen und Regulierungen, beispielsweise das Recycling betreffend, angewiesen. Das ist notwendig, damit Refubisher:innen faire Preise anbieten und sich am Markt behaupten können.

Dass es schon einige öffentliche und privatwirtschaftliche Initiativen in diesem Bereich gibt, die neue tragfähige Geschäftsmodelle erproben, zeigt auch ein Erkenntnisbericht des Climate Lab aus dem Jahr 2024 zur Zirkularität von Büromöbeln. Weitere Impulse darf man sich zudem vom digitalen Produktpass erhoffen, der voraussichtlich 2028/2029 Eu-weit umgesetzt wird. Der DPP wird spezifische Anforderungen an die Langlebigkeit, Reparierbarkeit, Materialzusammensetzung und Ressourceneffizienz von Produkten stellen und Transparenz für die Branche schaffen.

Do it yourself Circularity

Die Transformation der Wirtschaft von linear zu zirkulär hat längst begonnen, aber der Weg ist noch weit. Solange du also noch auf das richtige professionelle Refurbishing-Angebot für dein Sofa warten musst, kannst du dich im Circularity-Gedankenspiel der R’s üben. Vielleicht passt deine durchgesessene Couch ja auf den Balkon oder kann als Hunde-Relax-Bereich im Garten dienen (Repurpose). Vielleicht probierst du dich selbst mal im Reparieren, besorgst dir ein paar neue Federn und lernst, wie man sie einbaut (Repair). Das gibt dir obendrein eine große Portion Heimwerk-Feeling.

Oder du überlegst dir, ob du den Bezug für neue Kissen oder das Holz für ein neues Schuhregal brauchen kannst (Remanufacture). Klar, dafür braucht es handwerkliches Geschick, Zeit und das kostet natürlich auch wieder Geld. Gleichzeitig kann das Selbermachen aber auch viel Freude bereiten – man probiert aus und lernt noch was dazu. Und selbst wenn es nur beim Gedankenexperiment (Rethink) bleibt, wird eines klar: Deine Möbel können so viel mehr, als Feuerholz.

Titelbild: Image by Freepik

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