Enttäuschung ist die beste Beschreibung dafür, was die österreichischen Jugenddelegierten und die Mitglieder der Climate Lab Community mit Blick auf die diesjährige Weltklimakonferenz COP30 empfinden. Nach knapp zwei intensiven Wochen in Belém und monatelanger Vorbereitung sind die CliMates Benedicta Opis und Valentin Chavanne nun zurück. Beim Bring Back im Climate Lab gaben die zwei uns einen Einblick in die Dynamiken, Verhandlungen und Bruchlinien.
Im Vorfeld wurde die COP30 vielfach als “COP der Wahrheit” betitelt – verbunden mit der Erwartung auf klare Implementierungsstrategien, mehr Klimafinanzierung und ambitionierte Ziele. Stattdessen brachte die Konferenz vor allem eine Erkenntnis: ein zeitweiliges Überschreiten vom 1,5 Grad Ziel gilt mittlerweile als wahrscheinlich. Die Frage lautet längst nicht mehr, ob es passiert, sondern wie Ausmaß und Dauer limitiert werden können.
Mitigation – Fossile nicht genannt
Wurde noch ausgerechnet auf der COP28 in Dubai erstmals eine Abkehr fossiler Brennstoffe beschlossen, fehlen derartige Formulierungen in den Beschlüssen von Brasilien vollständig. Als zentrale Ergebnisse bleiben lediglich zwei neue Initiativen, die auf freiwilliger Basis Staaten bei der Umsetzung ihrer Klimaziele – den sogenannten Nationally Determined Contributions (NDCs) – unterstützen sollen.
Bis zum Ende der COP30 reichten 119 Staaten, verantwortlich für 74% der globalen Emissionen, ihre NDCs ein. Die Bilanz: Aufsummiert würden diese Beiträge lediglich 15% der notwendigen Emissionsreduktion erreichen, um das 1,5 Grad Ziel bis 2035 einzuhalten. Laut einer UN-Analyse steuert die Welt damit weiterhin auf eine Erwärmung von 2,3-2,8 Grad hin.
Die Frustration über all dies entlud sich vor allem beim Abschlussplenum. Kolumbiens Delegierte Daniela Durán González erhob Einspruch gegen das Mitigation Work Programme (MWP). Dieses sei zu schwach formuliert und daher nicht zustimmungsfähig. Emissionsminderung könne nicht wirksam stattfinden, so Durán González, solange jene Ressource, die für rund 75% der globalen CO2-Emissionen verantwortlich ist, nicht einmal erwähnt werde. Nachhaltige, wirksame Mitigation brauche einen offenen, wissenschaftlich fundierten und demokratischen Diskurs. COP-Präsident André Corrêa do Lago forderte daraufhin eine weitere Bearbeitung des MWP in Bonn im nächsten Jahr.
Adaptation – kleine Worte, kleinere Finanzen
Positiv hervorzuheben ist, dass die Finanzierung von Klimaanpassungsmaßnahmen in sogenannten „developing countries“ ausgeweitet werden soll. Aufbauend auf dem auf der COP26 in Glasgow gesetzten Ziel, bis 2025 jährlich 40 Milliarden Dollar für Adaption bereitzustellen, wurde nun eine Verdreifachung dieser Summe in Aussicht gestellt.
Jedoch: die Verdreifachung wurde bis ins Jahr 2035 nach hinten verlegt. Die kurzfristige Mobilisierung von notwendigem Geld für von der Klimakrise betroffene Länder lässt somit länger auf sich warten. Auch eine klar definierte Ausgangsbasis, aus der diese “Verdreifachung” gemessen werden soll, sucht man vergeblich in den Beschlüssen – es herrscht Unklarheit.
Darüber hinaus wurden 59 Indikatoren festgelegt, mit denen künftig Adaptionsmaßnahmen bewertet werden sollen. Diese Indikatoren geben lediglich an, wo ein Land gerade steht, nicht wohin es sich entwickeln soll. Ursprünglich geplante, weitergehende Indikatoren fanden ihren Weg nicht in den finalen Beschluss.
Der Multilateralismus lebt
Auch wenn die Erwartungen bei der COP30 nicht ansatzweise erfüllt werden konnten, hat sich eines doch gezeigt: Der Multilateralismus ist nicht tot. Insbesondere die Zivilgesellschaft war nach einer ungewollten Phase eingeschränkter Partizipation wieder sichtbar mehr präsent. Ihre Stimmen fanden sich laut den Jugenddelegierten auch in den Plenarsälen und Verhandlungsräumen wieder.
Trotz Abwesenheit der USA fanden weiterhin Verhandlungen, Gespräche und politische Auseinandersetzungen statt. Die Weltbühne zeigte sich einmal mehr multipolar. Die EU hat die Lücke genutzt, um deutlich stärker aufzutreten. Gleichzeitig zeigten Staaten wie Kolumbien mit ambitionierten Positionen auf. Der Einspruch im Abschlussplenum und die Ankündigung einer Konferenz für eine Just Transition Away From Fossil Fuels – gemeinsam mit den Niederlanden – unterstreichen diese Entwicklung.


