CSRD und Co: Kann die AI das bitte machen?

‏‏‎ ‎|‏‏‎ ‎Alexandra Krämer

Klarheit und Verlässlichkeit im Dschungel der Nachhaltigkeitsberichte: Das verspricht ein neues KI-Tool, an dem im FFG-Projekt AI-RISE geforscht wird. Wir haben mit Projektleiter Florian Würrer (Climate Lab) über Halluzinationen und Energieverbrauch gesprochen - und warum er überzeugt ist, dass AI-RISE trotz alledem ein klarer Gewinn für’s Klima sein wird.

Ein AI-Tool für Nachhaltigkeitsberichte – braucht es das nach den Omnibus-Entschärfungen der EU überhaupt noch?
Seit 2024 sind vor allem Großunternehmen nach der CSRD – der Corporate Sustainability Reporting Directive – berichtspflichtig. Mit dem Omnibusverfahren der EU hat es dann zwar Erleichterungen gegeben, aber es geht um weit mehr als die CSRD. Unternehmen müssen auch auf andere Regularien achten. Darunter die CSDDD, die europäische Lieferkettenrichtlinie oder die EU-Taxonomie, nach der die Umweltverträglichkeit von Unternehmen bewertet wird.

Das sind massive Datenaufkommen, um die es da geht. Genau da setzt das Projekt an. Damit das Schreiben und Lesen von Nachhaltigkeitsberichten unter diesen Voraussetzungen überhaupt händelbar und verständlich wird, nutzen wir LLMs, also Large Language Models. Mit ihnen lassen sich die Daten sowohl leichter aufbereiten als auch lesen und bleiben dabei zuverlässig regulatorisch konform.

Wer ist “wir”? Wer steckt hinter dem Projekt?
AI-RISE ist ein FFG-Projekt, das vom damaligen BMK gefördert wurde. Das Climate Lab fungiert dabei als Bindeglied zwischen den Projektpartnern und der Zielgruppe, wo der Bedarf für dieses Tool ermittelt wird. Einer der Projektpartner ist zum Beispiel Weblyzard. Sie übernehmen die technische Entwicklung des LLMs.

“Führungskräfte, politische Entscheidungstragende oder Unternehmen … ersparen sich immens Zeit”

Was soll AI-RISE genau können und was wird es leisten?
Das Tool soll möglichst nah am Markt und an dem, was die Menschen brauchen, entwickelt werden. Es ist in der Lage, immer an den jeweils aktuell geltenden Richtlinien und Direktiven, die benötigten Kennzahlen zu ermitteln, mit zugehörigen Querverweisen in den Originaldokumenten.

Damit ist nicht nur die Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten in Zukunft effizienter. Auch das Abrufen von benötigten Daten wird mit dem LLM einfacher. Führungskräfte, politische Entscheidungstragende oder Unternehmen am anderen Ende der Lieferkette ersparen sich somit immens Zeit und haben dennoch fundierte und korrekte Zahlen bei der Hand.

Wie können wir uns das konkret vorstellen? Von welchen Zahlen sprechen wir da?
Sagen wir, es geht um ein Unternehmen in Wien und ich möchte den CO2-Ausstoß im Bereich Scope drei für ausgewählte Materialien wissen. Das Tool filtert genau das raus mit allen Querverweisen, mit allen Links, auch zu den Verordnungen. Die Autor:innen von Nachhaltigkeitsberichten tun sich leichter, den aktuellen Richtlinien entsprechend zu schreiben. Für die Leserschaft werden die Informationen übersichtlicher und verständlicher.

“AI-RISE kann die gewünschten Informationen verständlich wiedergeben.”

“Übersichtlicher und verständlicher” würde der Klimakommunikation insgesamt gut tun. Kann AI-RISE da auch helfen?
Das Modell soll auch in der Wissenschaft Anwendung finden. Denkt man beispielsweise an den AAR2, den österreichischen Sachstandsbericht zur Klimakrise. Auch hier können Klimaberichte in Zukunft leichter geschrieben werden – und vor allem für die Öffentlichkeit verständlicher. Das kann auch von Journalist:innen oder in der Wissenschaftskommunikation aufgegriffen werden.

Die AI schreibt also bald unsere Klimaberichte – und besser noch dazu?
Der Endbericht wird nicht vom Tool vollumfänglich geschrieben, das obliegt weiterhin den zuständigen Personen. AI-RISE bietet Hilfestellung bei der Datenbündelung, der Zuordnung zu den jeweiligen Regularien und es kann die gewünschten Informationen verständlich wiedergeben.

“Die größte Herausforderung ist die rasante Entwicklung von KI.”

Klingt eigentlich zu gut, um wahr zu sein. Wo steht ihr im Projekt aktuell?
Das Projekt ist vor einem Jahr angelaufen und soll bis 2028 abgeschlossen sein. Wir sind schon weit, bald soll es einen Prototypen zum Testen geben. Die Ergebnisse werden als nächstes in Workshops verifiziert. Das heißt, unsere Stakeholder testen in der nächsten Phase die Nützlichkeit des Tools und bewerten, wie zugänglich die Berichte sind. Und hier nicht nur den Output. Auch die Anwendung wird erprobt, wenn es Metadaten und Zitierempfehlungen vorgibt und wenn Zusammenarbeit gefragt ist.

Und das funktioniert wirklich so einfach – oder habt ihr auch mit Herausforderungen zu kämpfen?
Jetzt, nach einem Jahr im Projekt, lässt sich schon sagen, dass die größte Herausforderung die rasante Entwicklung von KI ist. Der Markt entwickelt sich so schnell. Regelmäßig kommen neue Tools und Anwendungen raus. Die Herausforderung für uns ist, zu schauen, wo wir uns anpassen müssen. Ziel ist, dass das Projekt am Ende auch wirklich einen Mehrwert bieten kann.

“Unser Tool ist nicht so groß skaliert.”

Wie sieht es da mit der Zuverlässigkeit aus – Stichwort Halluzinationen?
Die Frage kommt oft und ist natürlich auch berechtigt, wenn man bedenkt, dass LLMs einer Black Box gleichen. AI-RISE ist in erster Linie ein Forschungsprojekt. Wir schauen nicht nur, was funktioniert, sondern auch, was nicht funktioniert. Wir probieren mögliche Wege aus und wollen schauen, was es wirklich braucht, um etwas zu verändern.

Dadurch, dass sichergestellt ist, woher die Informationen kommen, mit denen die KI arbeiten wird – also existierende Berichte und geltende Regularien – kommt es nicht zu relevanten falschen Outputs oder Halluzinationen. Verifizierte Sources liefern zuverlässige Technik. Der Output ist dadurch auch leicht überprüfbar, weil die Quellen immer direkt mit verlinkt werden.

AI steht ja auch in der Kritik, nicht unbedingt nachhaltig zu sein. Wie geht das für euch zusammen?
KI verbraucht natürlich Energie. Unser Tool ist zum Glück im Verhältnis zu den geläufigen generativen KIs nicht so groß skaliert. Auf der Seite des “dafür” steht hingegen, dass – gerade im Corporate Bereich – Entscheidungen schlichtweg getroffen werden müssen, damit die Klimaziele erreicht werden können.

Solche Entscheidungen haben oft lange Wege. Sie durchlaufen mehrere Gremien. Währenddessen werden die Regularien vielleicht wieder aktualisiert. Trotzdem muss sich jeder auskennen. Das ist ein immenser Aufwand für alle Personen in der Kette. Das kostet wertvolle Zeit. Wenn Information und Kommunikation hier erleichtert werden kann, dann sorgt das dafür, dass Entscheidungen schneller und fundierter getroffen werden können.

Können wir dann in Zukunft wirklich bessere Entscheidungen treffen?
Ich sehe schon, dass AI-RISE da in Zukunft gut genutzt werden kann. Es verkürzt den Weg von den verfügbaren Informationen zur eigentlichen Entscheidungsfindung, genau dort, wo viele Menschen zusammen arbeiten müssen.

Florian Würrer ist Programm Manager und AI-Experte im Climate Lab  und leitet das FFG-Projekt AI-RISE.

Das FFG-Projekt AI-RISE hat zum Ziel, durch den Einsatz von Generativer Künstlicher Intelligenz (GenAI) die professionelle ESG-Berichterstattung benutzerfreundlicher, interaktiver und besser teilbar zu gestalten und wird durch ein Konsortium bestehend aus webLyzard, Climate Lab, ConPlusUltra, Universität Innsbruck und Climate Change Centre Austria umgesetzt.

Grafik by redgreystock on Magnific

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