Der Name eures Start-ups ist interessant. Welche Ufer möchtet ihr mit „The Energy Bridge“ verbinden?
Da haben wir eine Initiative der EU übernommen, die sogenannte Bridge-Initiative. Hierbei geht es darum, Ökosysteme und Regionen für eine bestimmte Branche zusammenzubringen. Wir vernetzen den Energiesektor und die verschiedenen Stakeholder.
Wer sind da die “Stakeholder”?
Ein Großteil der Innovationen findet an den Forschungseinrichtungen von Universitäten statt. Das ist die akademische Welt. Aus den daraus resultierenden Erkenntnissen nehmen sich Student:innen und junge Unternehmer:innen des Problems an und beginnen, etwas aufzubauen. Das sind dann die Innovator:innen und ihre Start-ups. Um diese Innovationen dann in großem Maßstab umzusetzen, braucht man die Industrie – eine weitere Gruppe, die wir ansprechen wollen.
Energie ist außerdem ein sehr stark regulierter Bereich. Deshalb wollen und brauchen wir auch die Regulierungsbehörden und politische Entscheidungsträger:innen. Schließlich kommt noch die strategische Finanzierung hinzu, denn ohne Finanzierung geht gar nichts. Also muss auch dieser Sektor miteinbezogen werden
Und was wollt ihr mit diesen Stakeholdern am Tisch erreichen? Was ist da eure Vision?
Aufgrund eines Koordinierungsproblems stecken in Europa Terawatt an Projekten fest. Entweder weil sie bei der Planung, der politischen Entscheidungsfindung oder der Regulierung verzögert werden oder weil Stakeholder zu lange auf Antworten von Verbänden oder Regierungsbehörden warten.
Warum ist das so?
Das Problem ist, dass diese Gruppen zu oft in Silos denken und arbeiten. Wir haben das Gefühl, dass das Wissen da ist, aber nicht verbreitet wird. Sehr schnell haben wir auch gemerkt, dass es das Bedürfnis gibt, die verschiedenen Akteure der Energiewende zusammenzubringen.
Wir sahen also dieses Problem und dachten uns, wenn wir eine Brücke zwischen den verschiedenen Interessensgruppen schlagen können, kann es gelöst werden.
Da ist der Name natürlich bewusst gewählt und sozusagen auch Programm. Wie seid ihr auf das Konzept hinter „The Energy Bridge“ gekommen?
Ich habe mein Masterstudium “Renewable Energy Systems” an der Technischen Universität Wien begonnen. Dort habe ich Daniel Schaub, meinen Mitbegründer, der aus Chile stammt, kennengelernt. Daniel und ich teilten dieselbe Inspiration und wollten gemeinsam etwas auf die Beine stellen. Wir waren beide sehr motiviert und wollten mehr über das Energie-Ökosystem erfahren. Also fingen wir an, mit Personen aus der Energiebranche zu sprechen und interessante Gespräche zu führen. Dann machte es bei uns beiden einfach Klick: Warum machen wir das nicht einfach in einem Format wie einem Podcast? So hat alles angefangen.
„Energie als Ganzes ist ein sehr, sehr politisches Thema.“
Und diesen Podcast habt ihr dann auch gestartet, oder?
Ja, genau. Der Podcast gewinnt auch sehr an Zugkraft. Wir waren bereits im slowakischen Parlament. Dank der neuen Wahlergebnisse sind wir gerade dabei, mit dem ungarischen Parlament in Kontakt zu treten. Außerdem haben wir schon mit dem Energieministerium in Österreich und dem AIT (Austrian Institute of Technology) gesprochen.
Du meinst, ihr habt im slowakischen Parlament einen Podcast aufgenommen? Mit wem habt ihr dort gesprochen?
Das war mit Karol Galek. Er war früher Staatssekretär und Energieberater der Slowakei. Die Slowakei ist eines der am stärksten gasifizierten Länder in Europa und war sehr auf russisches Gas angewiesen. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, wie die Slowakei ohne es zurechtkommen wird. Karol war eine der Personen, die die letzte Energiekrise gemanagt haben. Er erklärte uns, wie sie das gemacht haben.
Dreht sich in eurem Podcast alles um Energie?
Bei uns dreht sich alles um politische Gestaltung und Entscheidungsfindung für die Energiewende, ja. Energie als Ganzes ist ein sehr, sehr politisches Thema. Entsprechend suchen wir unsere Gäste aus.
„Es ist ein Tor nach Osteuropa“
Euer Fokus auf Mittel- und Osteuropa ist ja nicht zu übersehen – auch beim Logo. Warum ist das so?
Das ist eine Region, in der es ein wenig an Transparenz bei der Energiewende mangelt. Trotzdem können große Sprünge gemacht werden, weil diese Länder viel länger von fossilen Brennstoffen abhängig waren. Ihre Energiewende verläuft daher ganz anders als beispielsweise in Westeuropa und Skandinavien.
Wieso habt ihr euch für die Budapester Kettenbrückengasse in eurem Logo entschieden?
Als wir über eine Idee für unser Logo nachdachten, wollten wir eine ikonische Brücke verwenden. Hier kamen wir auf die Kettenbrücke in Budapest. Durch ihren Bau wurde die Verbindung zwischen Ost und West viel mehr verbessert als durch jede andere Brücke in der Geschichte dieser Region.
Und doch seid ihr mit eurem Start-up in Wien und nicht in Budapest?
Wir möchten Zentral- und Osteuropa von Wien aus ansprechen, da wir hier studiert haben und Wien historisch gesehen ein Knotenpunkt für diese Region ist. Es ist ein Tor nach Osteuropa.
„Durch die Verbindung mit dem KI-Gehirn kann man die Veranstaltung in Echtzeit erleben und Fragen direkt stellen“
Der Podcast ist natürlich nicht eure einzige Aktivität. Was macht “The Energy Bridge” sonst noch, um die Brücke zu schlagen?
Es gibt drei Dinge, die wir bei The Energy Bridge tun. Wir machen den Podcast, wir organisieren Foren und wir arbeiten an einer Community-Intelligence-Plattform.
Kannst du uns da mehr erzählen?
Bei den Foren organisieren wir zwei pro Jahr. Eines ist eher industriell ausgerichtet, das andere eher akademisch. Mit den Foren wollen wir das gesamte Ökosystem konsolidieren. Unser TEB Forum Vienna 2026 wird am 2. und 3. Juni stattfinden. Hier wollen wir sicherstellen, dass Vertreter:innen der Forschung und der Energieversorger dabei sind. Außerdem werden Politiker im Panel vertreten sein. So wird die Diskussion ergebnisorientierter.
Unsere Plattform richtet sich ebenso ans Ökosystem. Sie ist für politische Entscheidungsträger:innen, Entwickler, Finanzinvestorinnen, Innovatoren, Start-ups oder Forschende gedacht. Die Community-Mitglieder können Medien und Dateien hochladen, ein Forum nutzen und Diskussionen beginnen.
Die eingebaute KI hilft dabei, dass die User die Dateien nicht einzeln durchsuchen müssen. Sie können sie einfach mit dem Community-Brain abfragen. Zudem bietet die Plattform Zusammenfassungen, Zitate und Statistiken aus hochgeladenen Medieninhalten. Das gilt auch für die Teilnehmer:innen unserer Foren während der Veranstaltung. Durch die Verbindung mit dem KI-Gehirn kann man die Veranstaltung in Echtzeit erleben und Fragen direkt stellen. Deshalb nennen wir es Community-Intelligence-Platform.
Ist diese Plattform bereits für die Community zugänglich oder ist sie noch in Arbeit?
Sie wird zugänglich sein. Bis dahin gibt es aber noch viel zu tun.
„Sie hat erwähnt, dass Österreich diversifizieren muss, wenn die Straße von Hormus geschlossen wird.“
Habt ihr vor eure Community in Zukunft über Zentral- und Osteuropa hinaus auch auf globale Märkte zu erweitern?
Die Energiebranche ist sehr global, weil die Lieferketten global sind. Jeder hat gesehen, was im Iran passiert ist und wie sich das auf die ganze Welt ausgewirkt hat. Wir befinden uns also in einem stark globalisierten Markt und Energie ist ein kritischer Rohstoff.
Ich komme aus Indien und Daniel aus Chile. Wir würden die Brücke gerne nach Asien und Südamerika ausbauen. Wir müssen uns als Unternehmen aber auch spezifizieren. Unser aktueller Fokus für das nächste Jahr liegt also auf der CEE (Central-, and Eastern-Europe) Region, aber später, wenn unsere operative Kapazität steigt, wird das definitiv ein Thema sein.
Ich habe zum Beispiel kürzlich gesehen, dass der österreichische Kanzler in Indien war. Und eines der ersten Dinge, auf die sie sich geeinigt haben, war, dass Österreich Indien bei der Netzmodernisierung unterstützen wird. Das wird also eine große Rolle spielen.
Greift ihr solche globalen Herausforderungen und Risiken auch in eurer Arbeit auf?
Interessanterweise haben wir bereits letztes Jahr mit Sherin Gharib über dieses Thema gesprochen. Sie ist eine geopolitische Expertin für Energie und Klima bei Austropapier und erzählte bereits damals in unserem Podcast, was zwischen dem Iran und Israel sowie in der Straße von Hormus vor sich ging. Sie ist bei Austropapier für die gesamte Papierindustrie in Österreich zuständig und hat erwähnt, dass Österreich diversifizieren muss, wenn die Straße von Hormus geschlossen wird.
„Ich finde es interessant, dass der Großteil der Strategie, die wir in Europa haben, nur bis 2030 reicht.“
Eure Foren haben auch im Climate Lab schon Furore gemacht – nicht zuletzt aufgrund er hochkarätigen Gäste gleich beim ersten Event. Welche Rolle spielt das Climate Lab für euch und eure Arbeit?
Ich bin Mitglied im Climate Lab, seit ich nach Wien gezogen bin. Ich finde, dass es eine tolle Community ist. Wir haben letztes Jahr mit unserem Unternehmen angefangen und der allererste Ort, an dem wir gerne etwas machen wollten, war das Climate Lab. Es war eine natürliche Wahl, da wir im Bereich Energie und Klima tätig werden wollten. Das Climate Lab war schon immer eine große Unterstützung, weil die Community sehr stark ist. Denn die Mitglieder unterstützen sich gegenseitig bei ihren Vorhaben.
Österreich braucht in Sachen Unternehmertum noch ein bisschen Schwung. Der war nicht immer da. Das Climate Lab und ähnliche Orte helfen dabei, ein Umfeld zu fördern, in dem die Menschen darüber nachdenken können, etwas Eigenes zu gründen, insbesondere im Klimasektor. Denn gerade in diesem Bereich lassen Belohnungen, Dankbarkeit und auch Geld etwas länger auf sich warten.
Eine letzte Frage: Wo siehst du dein Startup im Jahr 2030? Und wie viele Mitglieder hat eure Community dann?
2030 ist nicht mehr so weit weg. Daher finde ich es sehr interessant, dass der Großteil der Strategie, die wir in Europa haben, nur bis 2030 reicht. Danach gibt es eine Blackbox. Unsere langfristige Vision ist es definitiv, bis dahin mehrere Tausend oder sogar Millionen paneuropäischer Nutzer auf unserer Plattform zu haben, die daran arbeiten, kuratierte Medien und Interaktionen zu bieten. Aber unser Fokus liegt darauf, dass wir bis Ende dieses Jahres etwa 1000 bis 2000 Mitglieder haben, unsere Bibliothek und das Daten-Repository weiter ausbauen und es immer intelligenter zu machen.
Rahul Mishra ist Co-Founder von “The Energy Bridge”. Er studierte im Master Renewable Energy Systems an der Technischen Universität Wien und gründete 2025 gemeinsam mit Daniel Schaub das Energie Start-up. Der Fokus seiner Arbeit liegt auf den Bereichen Business Development und Strategie mit dem Ziel, Europas Energiewende zu beschleunigen.
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