Hitze heißt das Schlagwort, das mit Blick auf den zurückliegenden Sommer den allermeisten Menschen gezeigt hat, dass Klima und Gesundheit eng miteinander verbunden sind. Kein Wunder also, dass sich nun auch das Österreichische Rote Kreuz mit der Zukunftsallianz zusammengeschlossen hat, um künftig gemeinsam die Wanderausstellung “Zukunft erleben” zu bespielen. Das Ziel dabei ist aber keine Belehrung, sondern vielmehr das Aufzeigen verschiedener Ideen und Lösungen, die heute schon in Österreich gelebt werden. Das Wort “Klima” muss dabei noch nicht mal vorkommen, wie der Sprecher der Zukunftsallianz, Andreas Köhazy, ein wenig scherzhaft anmerkte.
Best Practices aus 5 Produktgruppen in den Regalen
Mehr als 30 Beispiele sind es, die ab sofort an fünf modularen Stationen vorgestellt werden. Mit der Unterstützung des Roten Kreuzes konnte die jüngste Station “Gesundheit und Soziales” ergänzt werden. Dort finden sich positive Beispiele wie Cooling Center oder die Energiespende. Über eine Energiegemeinschaft können dabei Stromerzeuger ihren Strom spenden. Davon sollen Menschen profitieren, die – auch für gesundheitsbedingt notwendige Geräte – einen hohen Energiebedarf haben.
Daneben zeigt die Ausstellung auch weiterhin die altbekannten Best Practice Beispiele. Die Bandbreite reicht von der Initiative gegen den Geschäftsleerstand in Bad Ischl über innovative, lokale Verkehrskonzepte bis zur vertikalen Agri-PV-Anlage in Gabersdorf. Einen regelrechten Supermarkt für regionale Klima-Ideen ortet da auch der Gastgeber und Stv. Geschäftsführer des Roten Kreuzes, Peter Kaiser.
Klima als Gesundheitsfaktor
Er erklärte auch die Beweggründe für die Kooperation. Als weltweit größte humanitäre Hilfsbewegung erlebt das Rote Kreuz die Auswirkungen und die Einzelschicksale von Katastrophen aller Art aus nächster Nähe. Das gilt für medial vielbeachtete Ereignisse wie Überflutungen oder Bergstürze ebenso, wie für die schleichenden und wenig sichtbaren Katastrophen. Denn auch hinter jedem Hitze-bedingten Todesfall steckt schließlich ein Schicksal und eine Geschichte – und in diesem Sommer waren es hunderte allein in Österreich. Das machte sich selbstredend auch in der Statistik bemerkbar, wo 15% mehr hitzebedingte Einsätze verzeichnet wurden.
Mit Statistiken zu Wetter und Klima kennt sich auch die Meteorologin und Moderatorin Verena Schöpfer bestens aus. Sie führte nicht nur durch die Diskussion des Abends, sondern zeigte auch, wie der vergangene Sommer der Extreme eingeordnet werden muss. Besonders eindrücklich war dabei die Zahl der Tage mit mehr als 40 Grad Celsius. Von den sieben Tagen, die seit dem Beginn der Aufzeichnungen vor mehr als 250 Jahren verzeichnet wurden, entfallen sechs auf diesen Sommer. Einzig 2013 wurden ebenfalls an einem Tag die 40 Grad überschritten.
Handeln statt abwarten
Rekorde – oder besser gesagt Extremwerte – wurden aber auch in allen anderen Kategorien aufgestellt, sei es die Zahl der Hitzetage, der Tropennächte oder neue Höchstwerte in den Bundesländern und an zahlreichen Stationen. Egal wie man es dreht und wendet, der Trend zu immer extremerer Hitze ist überwältigend deutlich.
Das sieht naturgemäß auch David Jablonski vom Klimadashboard so, das ebenso wie die Zukunftsallianz auch Teil des Climate Lab Ökosystems ist. Laut ihm waren in diesem Jahr 450 Millionen – also 3 von 4 – Menschen in Europa von 35 Grad oder mehr betroffen. Er vermisst die dem Problem angemessene Dringlichkeit, wie sie die Politik bei anderen Krisen gerne und sofort an den Tag legt. Einen Grund dafür vermutet er auch in der fehlenden Sichtbarkeit von Einzelschicksalen.
Auf die Politik will man bei der Zukunftsallianz jedenfalls nicht warten, sondern lieber selbst das Heft in die Hand nehmen – oder besser gesagt das Heft den Menschen in den Regionen in die Hand legen. Die Wanderausstellung wird daher weiterziehen, von Ort zu Ort, mit Informationen und praktischen Lösungsansätzen im Gepäck.
Fotos: Gisi Taschner-Carl-Hohenbalken




