refurbed: Keine Angst vor 2nd Hand

Das Start-up refurbed blick auf eine zehnjährige Erfolgsgeschichte als Online-Marktplatz für wiederaufbereitete Produkte. Im Full Circle Podcast bei Nadja Hahn erklärt Gründer Kilian Kaminski zusammen mit ÖGUT-Expertin Veronika Reinberg, wie es seinem Unternehmen gelingt, Kund:innen und Investor:innen die Angst vor gebrauchten Produkten zu nehmen.

Eine halbe Tonne Gold – das sind etwa 100.000 Eheringe – liegt in den österreichischen Schubladen. Jedoch – die Schatzsuche gestaltet sich schwierig. Das Gold ist gemeinsam mit anderen wertvollen Rohstoffen in rund 13 Millionen Smartphones gebunden, die die Österreicher:innen inzwischen angesammelt haben. Zwei Drittel davon könnten problemlos recycelt werden. Noch viel spannender ist aber, dass ein Drittel sogar professionell wiederaufbereitet – sprich refurbed – und erneut verkauft werden könnte.

Nach wie vor werden in Österreich und in Europa überwiegend neue Geräte gekauft. Dass es auch anders geht, beweist refurbed, der Online-Marktplatz für wiederaufbereitete Elektrogeräte. refurbed arbeitet dabei mit professionellen Betrieben zusammen, die sich auf das Refurbing von Laptops, Handys und anderen Elektrogeräten, aber auch auf Haushaltsgeräte bis hin zu Sportgeräten spezialisiert haben. Wichtig dabei ist vor allem die Verlässlichkeit der Partner-Unternehmen und eine gleichbleibende Qualität der angelieferten Produkte, wie Gründer Kilian Kaminski erklärt. Schließlich geht es darum, auch den Kund:innen eine garantiert hohe Qualität und bestens funktionierende Produkte zu verkaufen. Hier gilt es, Vorurteile abzubauen und Vertrauen zu bilden – auch beim Datenschutz.

Angst vor Datenklau ist unbegründet

Gerade Smartphones sind inzwischen ein wichtiger und intimer Teil unseres Lebens geworden. Ob Bilder, Nachrichten, Termine oder Suchverläufe – es gibt kaum etwas, das wir den kleinen Geräten nicht anvertrauen. Auch deshalb ziehen es viele Menschen vor, die eigenen Altgeräte lieber in der eigenen Schublade verstauben zu lassen, als sie abzugeben. Ein Problem, das auch ÖGUT-Expertin Veronika Reinberg sieht: “Wenn Leute ihre Geräte weggeben, besteht da zum Teil die Panik, dass irgendwas mit den Daten passieren könnte. Dieses Problem kann man natürlich lösen.”

Auch bei refurbed hält man diese Angst für unbegründet, wie Kaminski erklärt: “Wir arbeiten nur mit professionellen Refurbishern zusammen. Das heißt, dass eine professionelle Datenlöschungssoftware zum Einsatz kommt”. Den Beweis, dass man hier tatsächlich darauf vertrauen kann, dass alle Daten restlos entfernt werden, sieht er in einer ganz besonderen Kundengruppe: den Banken. “Banken haben in Europa die höchsten Gesetzgebungen für Datenlöschung. Das heißt, wenn diese ihre Geräte bei unseren Partnern einschicken, um die Daten zu löschen, dann muss auch kein Privatkunde mehr Angst haben.”, ist Kaminski überzeugt.

Auch Impact-Investments wollen profitabel sein

Vorurteile und Ängste gilt es aber auch bei Investoren zu überwinden. Hier erwiesen sich Impact-Investments als wichtige Brücke. Im Impact-Bereich muss sich das Wachstum nicht ganz so schnell einstellen und andere Aspekte spielen eine größere Rolle. Das zeigte sich auch bei der Investment-Suche. “Unser allererste Slide, unser Opening quasi, war ein Bild von der Elektroschrott-Müllhalde in Ghana, um zu zeigen, wie negativ die Elektroindustrie ist. Bei sehr vielen Gesprächen mit Nicht-Impact-Investoren war dann das Feedback: Die erste Slide könnt ihr löschen. Impact Investoren interessiert dieses Leid und die finden das sogar sehr wichtig”.

Dennoch, auch für Impact-Investments spielen Wachstum und Profitabilität eine wichtige Rolle. refurbed kann hier auf starke Zahlen verweisen. Über zehn Millionen Kund:innen in zwölf – allesamt profitablen – europäischen Märkten sprechen für sich. Zudem hat refurbed im Februar in zwölf weitere europäische Märkte expandiert. Das hat überzeugt. So konnten refurbed in ihrer jüngsten Finanzierungsrunde erneut 50 Millionen Euro einsammeln – insgesamt wurden bereits 170 Millionen Euro investiert.

Auch die Klimabilanz kann sich sehen lassen. Gemeinsam mit dem Research Institute Fraunhofer hat refurbed errechnet, dass durch das Geschäftsmodell inzwischen fast eine halbe Million Tonnen CO2 vermieden werden konnte. Anders gesagt: Wer ein gebrauchtes Smartphone kauft, spart 80% CO2 ein. Noch besser ist nur, das Gerät direkt in der Familie – etwa an die eigenen Kinder – weiterzureichen.

Ein Recht auf Reparatur und Information

Umso wichtiger ist, dass auch die Gesetzgebung den Erfolg und das Wachstum zirkulärer Geschäftsmodelle unterstützt. Auf EU-Ebene treten nach und nach eine ganze Reihe von Regelungen in Kraft, die auch trotz der vielzitierten Omnibus-Verordnung große Wirkung entfalten, wie Reinberg betont. Das Wichtigste ist aus ihrer Sicht – und das seit zwanzig Jahren – endlich Kostenwahrheit zu schaffen. Das bedeutet, dass alle Kosten einschließlich der ökologischen und sozialen Auswirkungen im Preis enthalten sein müssen. Ein weiteres wertvolles Instrument sieht Reinberg zudem in den verschiedenen Kennzeichnungspflichten.

Für Kaminski spielt das Recht auf Reparatur eine große Rolle. Produkte müssen in Zukunft einfach zu reparieren sein und wichtige Ersatzteile müssen zu “angemessenen Preisen” angeboten werden, wobei sich Kaminski hier eine konkretere Angabe zur Preisgestaltung wünschen würde. Große Hoffnungen setzt er auch auf die Ökodesignverordnung, die für immer mehr Produktgruppen in Kraft tritt.

Was Veronika Reinberg und Kilian Kaminski zu Amazon, AI, die Geräteretterprämie und mehr zu sagen hatten, könnt ihr selbst nachhören – im Full Circle Podcast von Nadja Hahn.

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