Impact in einer fragmentierten Welt

‏‏‎ ‎|‏‏‎ ‎Simone Harga

Wenn Nachhaltigkeit zum Motor für Europas Wettbewerbsfähigkeit werden soll, braucht es mehr als Leuchtturmprojekte. Es braucht systemische Veränderungen in der Infrastruktur, in der Bildung, im Konsumverhalten und in der politischen Rahmensetzung. Doch diese Transformation beginnt im Kleinen, im Dialog, im Zuhören und im Mut zur Reflexion - z.B. im Rahmen der Impact Days.

„Wir leben in interessanten Zeiten“, betont Karl Kienzl, Obmann von CEOs FOR FUTURE – halb ironisch, halb ernst – zu Beginn der Session von CEOs FOR FUTURE und Climate Lab, womit er auf den in China gängigen Fluch “Mögest du in interessanten Zeiten leben” Bezug nimmt. Tatsächlich haben sich die Rahmenbedingungen für Unternehmen in Europa stark verändert. Fossile Abhängigkeiten, fragile Lieferketten, Fachkräftemangel oder geopolitische Unsicherheiten bringen große Herausforderungen mit sich. Doch gerade in dieser Komplexität liegt die Chance, neue, resiliente und zirkuläre Wirtschaftsmodelle zu etablieren. Die lineare Logik von take – make – waste hat ausgedient. Was es braucht, ist ein mutiger Systemwechsel, getragen von Dialog, Zusammenarbeit und Innovationsgeist.

In dem interaktiven Workshop im Rahmen der Impact Days 2025 diskutierten Unternehmensvertreter:innen „Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit in einer fragmentierten Welt” und “Wie Nachhaltigkeit das künftige Wachstum in Europa gestalten kann.“ Die zentrale Frage dabei war, wie Europa angesichts globaler Herausforderungen seine Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit stärken und Nachhaltigkeit als Motor für zukünftiges Wachstum nutzen kann.

Drei Perspektiven, ein gemeinsames Ziel

Workshop in Kleingruppen - Foto: Stephanie Don
Workshop in Kleingruppen – Foto: Stephanie Don

An drei interaktiven Thementischen, jeweils moderiert von Marie-Therese Wagner, Coca-Cola HBC Austria, Haimo Primas, Holcim Österreich und Ronald Würflinger, Stiftung Blühendes Österreich BILLA, wurden zentrale Fragen zur nachhaltigen Transformation besprochen. So unterschiedlich die Branchen, so einig waren sich die Teilnehmenden in einem Punkt: Nachhaltigkeit ist längst eine wirtschaftliche Notwendigkeit und ein klarer strategischer Wettbewerbsvorteil.

Industrie und Bau – Holcim Österreich:
Wie kann Nachhaltigkeit in der Bauindustrie von einer Bürde zu einem Anreiz werden? Diese Frage drängt, schließlich zeichnet die Baubranche für mehr als 35% des globalen Ressourcenverbrauchs und 40% der weltweiten Emissionen verantwortlich und die Baustoffe Zement und Beton gehören zu den emissionsintensivsten Materialien der Welt. Der Fokus der Diskussionsrunde von Holcim Österreich lag daher auch auf zerstörungsfreiem Bauen, Rückbau-Kompetenzen und der Notwendigkeit grüner Finanzierung. Eine zentrale Rolle für eine nachhaltige Transformation spielt aus Sicht der Teilnehmer:innen Bildung – nicht nur im technischen Bereich, sondern auch im Sinne eines kulturellen Wandels. Anreize für mehr Nachhaltigkeit erhofft man sich auch durch messbare Erfolge mittels KPIs, die ökologische Verantwortung wirtschaftlich sichtbar machen.

Biodiversität und Handel – Stiftung Blühendes Österreich/BILLA:
Kaum ein Thema scheint weiter entfernt vom wirtschaftlichen Tagesgeschäft als Biodiversität und doch wurde am Tisch der Initiative “Stiftung Blühendes Österreich” gerade hier großes transformatives Potenzial erkannt. Die Herausforderung liegt darin, Biodiversität strategisch greifbar zu machen, sowohl für Mitarbeitende als auch für Konsument:innen. Familiengeführte Unternehmen wurden als besonders wirksame Multiplikator:innen genannt: Intrinsisch motiviert und oft stark lokal verankert. „Nachhaltigkeit muss belohnt werden, am besten durch Förderungen, regulatorische Klarheit und gesellschaftliche Anerkennung.”

Fast Moving Consumer Goods – Coca-Cola HBC Austria:
Im Fokus des letzten Thementisches stand die Frage wie Unternehmen nachhaltige Wirkung in einer konsumgetriebenen Gesellschaft entfalten können und wie Bewusstsein für neue Innovationsansätze geschaffen wird. „Bewusstseinsbildung beginnt bei den Mitarbeitenden“, hieß es, erst dann könne man auch Konsument:innen mitreißen.

Nachhaltigkeit und Zirkularität beleuchtet außerdem das Produktdesign, erfordert klare politische Rahmenbedingungen und muss als kultureller Wandel im Unternehmen verankert werden. Nur durch die Zusammenarbeit von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft kann ein Systemwandel gelingen, der über Symbolik hinausgeht.

Menschen im Zentrum der Transformation

Über alle Gespräche hinweg war ein Sentiment spürbar, es geht nicht nur um neue Technologien oder bessere rechtliche Rahmenbedingungen – sondern um uns Menschen. Um Fachkräfte, die neue Kompetenzen mitbringen. Um Führungspersönlichkeiten, die zuhören, Unsicherheit zulassen und Vertrauen schaffen. Um Bürger:innen, die Teil der Lösung werden wollen. Und um Netzwerke, die Wirkung erzeugen. Echte Resilienz entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch Zusammenarbeit.

Autorin: Simone Harga
Bild: Stephanie Don

Mehr zum Thema

Warum Nachhaltigkeit ein Business Case ist

Why staying forever is not the goal

Recyclingbrot bis grüne Wände

Mit Schlacke zu grünem Stahl und Zement

Ich möchte mich bewerben. Benachrichtige mich!