Mehr Klimaresilienz durch Kreislaufwirtschaft?

‏‏‎ ‎|‏‏‎ ‎Markus Palzer-Khomenko & Anna Zámbó

Von regenerativer Wirtschaft über Forst- und Immobilienwirtschaft bis hin zu naturbasierter Stadtentwicklung reichten die Themen beim jüngsten “Deep Dive” des Climate Lab.

Hitze, unsichere Nahrungsversorgung oder steigende Migration sind nur einige der Herausforderungen, vor die uns die fortschreitende Klimaerhitzung in den kommenden Jahrzehnten stellen wird. Zunehmend rückt daher auch die Frage in den Fokus, wie wir mit diesen Risiken umgehen wollen und können. Im Climate Lab haben wir uns nun in einem Deep Dive die Frage gestellt, welche Rolle Kreislaufansätze für die Klimaanpassung spielen können.

Mit Kreislaufwirtschaft zu mehr Klimaresilienz? Was zunächst seltsam klingt, ergibt bei näherer Betrachtung aber tatsächlich Sinn. Normalerweise wird über Circularity im Zusammenhang mit Wirtschaftsresilienz, Ressourcenschonung und in weiterer Folge auch Klima- und Umweltschutz gesprochen. Die Anpassung an die Herausforderungen von morgen passt da zunächst nicht unbedingt dazu. Um solche Synergien erkennen zu können, muss man schon umdenken. Mit genau diesem Umdenken und “Um-die-Ecke-Denken” beschäftigt sich auch Andreas Ellenberger mit proSense Consulting. Als möglichen Weg nach vorne stellte er das Prinzip des regenerativen Wirtschaftens vor, bei dem Probleme nicht länger isoliert, sondern zusammen gedacht werden.

Kreislauffähiges Bauen und smarte Wassernutzung für resiliente Städte

Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigte Marco Hartl von alchemia nova auf. So lassen sich Abwässer mit Hilfe von Pflanzen direkt vor Ort reinigen. Auf diese Weise wird sogenanntes Grauwasser lokal wiederverwendbar. Das wirkt gleich mehrfach. Nicht nur kann so der Wasserverbrauch reduziert werden – was ja angesichts längerer und extremerer Hitzewellen und Dürreperioden durchaus sinnvoll ist. Die Pflanzen tragen durch Verdunstung auch zur aktiven Abkühlung der Stadt bei – ohne die Wasserversorgung zusätzlich zu belasten.

Bauwerke, die sich auf zirkuläre grüne Infrastruktur stützen, reagieren insgesamt besser auf Klimafolgen, wie etwa stärkere Regenfälle oder steigende Temperaturen. Das stärkt die Anpassungsfähigkeit von Städten und Gebäuden, wie auch Tobias Hutter erklärte. Bei Intep beschäftigt er sich mit kreislauffähigen Bauen zur städtischen Anpassung. Reparaturfähigkeit statt Abriss ist dabei das Ziel, das auch mit Blick auf den Holzbedarf und unsere Wälder die Klimaresilienz erhöhen kann.

Resiliente Wälder durch Circularity

Wie stark die Wälder in Österreich bereits heute belastet sind, zeigte Jonathan Graf, der ebenfalls bei Intep tätig ist. Wälder wachsen über Jahrzehnte und brauchen daher eine gewisse Zeit, um sich anzupassen. Mit der aktuellen Erhitzungsrate können sie kaum Schritt halten, was neue Schädlinge und in der Folge Schäden begünstigt. Das Ergebnis: Während die Wälder früher wichtige CO2-Speicher und Senken waren, geben sie heute oft mehr Treibhausgase ab.

Gleichzeitig verschwendet unser aktuelles, lineares “Cradle to Grave” Wirtschaftssystem wertvolle Rohstoffe, indem Materialien nur einmal benutzt werden. Gebäude werden bei Schäden oder nach der Nutzung häufig komplett abgerissen. Modulare Bauweise, Umnutzung, Sanierung oder die Wiederverwendung von Bauteilen sind nach wie vor die Ausnahme.

Auch hier kann die Kreislaufwirtschaft einen entscheidenden Beitrag leisten, um die Widerstandskraft unserer Wälder gegen den zunehmenden Klimastress zu erhöhen. Indem Produkte und Material länger in Verwendung bleiben, kann die Menge an Holz, die entnommen wird, gesenkt werden. Das unterstützt und stärkt die wertvollen Ökosystemleistungen der Wälder, die weit über die Bereitstellung von Holz hinausgehen.

Kreislaufansätze schaffen die nötige sozioökonomische Flexibilität, um auf massive ökologische Veränderungen proaktiv zu reagieren. Indem wir schon in der Planung kreislauffähig denken und jede Ressource so lange wie möglich im System halten, reduzieren wir den Druck auf geschwächte Ökosysteme und bereiten uns gezielt auf die Herausforderungen vor, die vor uns liegen.

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