Auf der einen Seite illegale Mülldeponien, auf der anderen Seite ein geplantes Pfandsystem – Moldawien befindet sich in puncto Kreislaufwirtschaft im Umbruch. Die Recyclingquote des osteuropäischen Landes betrug 2025 nur 10% und lag dabei deutlich unter dem EU-Durchschnitt. Es gibt im Land nur sehr wenige große Anlagen für erneuerbare Energien und der Staat ist stark von importierten Rohstoffen abhängig. Eine zirkuläre Wirtschaft bietet daher viele Chancen.
Seit 2022 hat Moldawien den Status eines EU-Beitrittskandidaten und strebt damit auch an, die Umweltstandards der EU zu erfüllen. Das Land hat sich unter anderem dazu verpflichtet, sich am europäischen Aktionsplan der Kreislaufwirtschaft auszurichten. Im März 2026 wurde Moldawien zudem von der European Environment Agency (EEA) und ihrem Netzwerk Eionet offiziell als Kooperationsland aufgenommen. Damit macht sich das Land auf den Weg von einer linearen, zu einer zirkulären Wirtschaft, in der Produkte und Materialien so lange wie möglich im Umlauf gehalten werden.
Mit dem “EU4Green Recovery East”-Programm unterstützt die EU den Aufbau der Kreislaufwirtschaft vor Ort. Als Teil des Programmes hat das österreichischen Umweltbundesamt dem Climate Lab, ÖGUT und Thinkubator den Auftrag erteilt, den Aufbau eines Circular Economy Hub zu begleiten. “Für uns bedeutet dieses Projekt die Möglichkeit, unser Wissen der letzten Jahre über die Grenzen hinweg zu transferieren und zusätzlich von den Aktivitäten vor Ort zu lernen”, freut sich auch Climate Lab Geschäftsführerin Barbara Inmann über die Beauftragung. Um sich auch vor Ort ein Bild zu machen, hat sich Circularity-Expertin Helene Pattermann in der Circularity-Szene in Moldawiens Hauptstadt Chisinău umgesehen.
Bestehende Allianzen stärken
Wo lokale Unternehmen in Sachen Circularity aktuell stehen, konnte sich die Delegation aus Österreich bei einigen Organisationen ansehen. Besonders inspirierend war das Treffen mit E-Circular. Das Team bringt im Rahmen einer Allianz Organisationen und Expert:innen in unterschiedlichen Arbeitsgruppen zusammen und ist damit bereits heute eine zentrale Anlaufstelle rund um Wissensvermittlung, Beratung und Vernetzung zur Kreislaufwirtschaft. „E-Circular zeigt uns, dass es in Chisinău einen fruchtbaren Boden für einen starken Circular Economy Hub gibt“, bestätigt Helene Pattermann einen positiven ersten Eindruck und meint weiter, “Wir freuen uns darauf diese tolle Organisation die nächsten 3 Jahren auf dem Weg zu einem Dreh- und Angelpunkt für Kreislaufwirtschaft in Moldawien zu unterstützen.”
Eine weitere Station war das Green Tech Hub an der Technischen Universität in Chișinău. Dort entsteht gerade ein Ort, um Raum für Forschende und Studierende wie auch Start-ups und kleine und mittlere Unternehmen mit nachhaltigen Technologien zu schaffen. Im Green Tech Hub soll Kreislaufwirtschaft zum Angreifen gelebt werden, 3D-Drucker für Prototypen und Repair & Reuse Café inklusive.
Erste Schritte Richtung Circularity Hub
Damit der Wandel hin zu einer Kreislaufwirtschaft gelingen kann, braucht es auch Unterstützung seitens der Politik. Die Reise führte die österreichische Delegation daher auch ins moldawische Umweltministerium. Das Ministry of Environment of Moldova erkennt den großen Mehrwert gezielter und moderierter Stakeholdereinbindung und zeigte sich daher auch offen und interessiert an einer Zusammenarbeit mit dem geplanten Circularity Hub.
Als nächster Fixpunkt steht Anfang Juni das Circular Economy Hub Bootcamp auf dem Plan, zu dem je eine Person von E-Circular, dem Green Tech Hub und dem moldawischen Umweltministerium nach Wien ins Climate Lab einladen wird. Dabei werden die Gäste – gemeinsam mit weiteren Teilnehmer:innen aus Armenien – die Community, Projekte und die Prozesse hinter dem Climate Lab kennenlernen und erfahren, wie das Climate Lab selbst zum Circularity Hub in Österreich aufgebaut wurde.
Links:
– EU4Green Recovery East-Programm
– ÖGUT
– Thinkubator
– E-Circular



