Projekt Follow-up: Österreich lernt Kreislaufwirtschaft

‏‏‎ ‎|‏‏‎ ‎Markus Palzer-Khomenko

Impulse für die Aus- und Weiterbildung in der Bauwirtschaft waren das Ziel eines unserer ersten Multi-Stakeholder-Projekte im Auftrag des damaligen Klimaschutzministeriums. Im Rahmen des Projektes “Österreich lernt Kreislaufwirtschaft” fließen diese Erkenntnisse nun in weitere Umsetzungsschritte ein.

Kein Papier für die Schublade, sondern praxisnahe Anstöße für Umsetzung mit Impact – das ist der Anspruch aller Climate-Lab Projekte. Ob wir mit unserer Arbeit und den Ergebnissen dabei dem Anspruch gerecht werden können, zeigt sich naturgemäß erst viel später. Im Projekt “Österreich lernt Kreislaufwirtschaft” im Auftrag des BMLUK entwickelt die ÖGUT nun gemeinsam mit weiteren Stakeholdern zielgruppenspezifische Qualifizierungsangebote und Beratungsdienstleistungen – und baut dabei auch auf der Vorarbeit des Climate Lab auf.

“Repair in Europe” statt “Made in China”

Ziel von “Österreich lernt Kreislaufwirtschaft” ist die Weiterentwicklung von Bildungsinhalten in Richtung Kreislaufwirtschaft und Bioökonomie. Gleich zum Auftakt stand dabei die Transformation der Bauwirtschaft im Fokus. Unter dem Titel “Ein nachhaltiges Fundament: Bildung in der zirkulären Bauwirtschaft” diskutierten Expert:innen aus Lehre, Forschung und der Praxis zwei Tage lang das bestehende Bildungsangebot und welche weiteren Qualifizierungen die Fachkräfte von morgen brauchen.

Die zirkuläre Transformation bietet dabei gleich eine doppelte Chance: Neben den Ressourcen können auch Wertschöpfung und damit Arbeitsplätze in Österreich und Europa gehalten werden. Recycling, Umbau oder Reparaturen lassen sich schließlich kaum auf einen anderen Kontinent verlagern. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass viele Kreislaufwirtschaftsjobs keine akademische, sondern vielmehr eine gute berufliche Ausbildung erfordern. Damit ergeben sich attraktive Jobangebote für alle formalen Bildungsklassen.

Beispiele für neue, zirkuläre Berufsbilder und Ausbildungsmöglichkeiten wurden in einem weiteren Climate Lab Projekt im Auftrag und in Zusammenarbeit mit waff und arbeit plus Wien zusammengetragen. Ein Beispiel für die Jobs von Morgen ist der “Social Urban Miner”. Das Konzept wurde durch das Baukarusell und die Kümmerei entwickelt. Die Fortbildung soll Menschen ohne formale Ausbildung oder mit geringen Sprachkenntnissen für den Rückbau von Gebäuden und Sanierungsvorbereitungen qualifizieren – ganz im Sinne der Kreislaufwirtschaft und der Bauwende.

Textilien bis E-Geräte: Viel Potential für den Jobmarkt

Auch im Textilbereich besteht Potential. Schließlich wird derzeit der Großteil der textilen Abfälle in Österreich noch energetisch verwertet. Mit dem Ausbildungskonzept für “Textil-Sortierung” können Teilnehmer:innen in einer kurzen und sehr praxisorientierten Ausbildung nicht nur schnelles und hochwertiges Sortieren lernen, sondern bekommen auch Grundlagenwissen zu Kreislaufwirtschaft, Mode und Materialien vermittelt.

Im Demontage und Recycling-Zentrum Wien erhalten arbeitssuchende Personen ebenfalls eine Chance, wieder in ein geregeltes Arbeitsumfeld einzusteigen. Mit dem Ausbildungskonzept “Basiswissen Elektro-Reparatur“ erlernen Menschen in 3-5 Monaten Grundkenntnisse zum Thema Reparatur von Elektrogeräten. Das wirtschaftliche Potential ist dabei nicht zu unterschätzen. Alleine in Wien werden jedes Jahr rund 8.000 Tonnen Elektroschrott über die MA 48 entsorgt. Das bedeutet etwa 3.100 t Eisen, 200 t Aluminium und 300 t Kupfer, die bei nicht fachgerechter Entsorgung für die Weiternutzung verloren gehen.

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Titelbild: Helene Pattermann mit dem Erkenntnisbericht des Climate Lab Projektes zur “Verankerung von Kreislaufwirtschaft in Aus-und Weiterbildungen im Bausektor” ©Markus Palzer-Khomenko/Climate Lab

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