Gibt es Grenzen für die Kreislaufwirtschaft? Das ist die zentrale Frage, die sich beim Anhören der jüngsten Folge des Full-Circle-Podcasts aufdrängt. Mit RHI Magnesita wird ein spannender Fall beleuchtet, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Der Industriekonzern hat sich auf den Abbau von Magnesit und die Herstellung von Feuerfest-Produkten spezialisiert und zählt zu den international führenden Unternehmen auf diesem Gebiet. Hergestellt werden spezielle Materialien, mit denen sich etwa Schmelzöfen auskleiden lassen. Für Österreich und Europa hat der Konzern strategische Bedeutung.
Seit 2018 bemüht man sich bei RHI darum, am Ende der Nutzung möglichst viel Material auch zurückzugewinnen. Mit Erfolg, aber auch mit Grenzen. So sind am Lebensende von Schmelzöfen nur mehr 30% des Ausgangsmaterials vorhanden und nur 15% eignen sich zur Wiederverwendung. Der Rest ist chemisch verbraucht und kann nicht zurückgewonnen werden. Im Umkehrschluss bedeutet das: An einem Primärabbau und Verbrauch kommt man nicht vorbei.
Wenn die Chemie nicht mitspielt
Die gute Nachricht dabei ist, dass man bei RHI inzwischen erfolgreich die Reststoffe zurücknimmt und für neue Produkte einsetzt. Allein durch diese Maßnahme konnten 5% der Emissionen vermieden und bisher – über 8 Jahre verteilt – 2,3 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Bleibt die Frage, was aus den verbliebenen 95% werden soll. Zwar lässt sich dabei an vielen Stellschrauben sicherlich noch drehen, wie auch Simone Oremovic betonte. Ein vollständig klimaneutraler und 100% zirkulärer Betrieb bleibt jedoch aktuell rein technisch außer Reichweite. In diesem Zusammenhang spricht man auch von “Hard to Abate”. Was also tun?
An dieser Stelle lässt der Ruf nach Carbon Capture and Storage (CCS) nie lange auf sich warten – so auch im Full Circle Podcast. Dass mit einer solchen “End-of-Pipe” Lösung naturgemäß auch Kosten verbunden sind, liegt auf der Hand. Für Unternehmer:innen sind diese Kosten ein wichtiges Incentive, zuallererst auf Vermeidung zu setzen.
Nicht ganz glücklich über die CCS-Lösung zeigt sich Sigrid Stagl. Sie plädiert, auch beim CO2 stärker in Richtung einer Nutzung (CCU) zu denken. Sie erinnert daran, dass natürliche Senken zur Kompensation zunehmend ausfallen. So sind Wälder inzwischen von Kohlenstoffsenken zu Kohlenstoffquellen geworden. Klar ist aber, dass unterm Strich für die Atmosphäre eine Null stehen muss.
Nicht ganz glücklich über die CCS-Lösung zeigt sich Sigrid Stagl. Sie plädiert, auch beim CO2 stärker in Richtung einer Nutzung (CCU) zu denken. Sie erinnert daran, dass natürliche Senken zur Kompensation zunehmend ausfallen. So sind Wälder inzwischen von Kohlenstoffsenken zu Kohlenstoffquellen geworden. Klar ist aber, dass unterm Strich für die Atmosphäre eine Null stehen muss.
Geschäftsmodell und Mindset als Henne-Ei Problem
Abseits der Technik bringt Stagl auch das Geschäftsmodell als Hebel ins Spiel. Sie erinnert daran, dass ein Wechsel von einem Produkt- und Verkaufsorientierten Konzept hin zu einer Service-orientierten Ausrichtung helfen kann, auch das Mindset zu verändern. Wer Service statt physische Produkte verkauft, hat ein größeres Interesse an langlebigen und servicierbaren Produkten und nimmt Produkte am Nutzungsende wieder zurück. Allerdings ist es umgekehrt auch schwer, solche neuen Geschäftsmodelle zu entwickeln, ohne zuerst auch das Mindset zu verändern – ein klassisches Henne-Ei-Problem.
Dass ein gradueller Shift dennoch möglich ist, beweist RHI Magnesita und nennt auch starke wirtschaftliche Argumente. Mit der Rücknahme der verbliebenen Materialien hat der Konzern eine günstige, alternative Quelle für einen kritischen Rohstoff erschlossen. Bei gleichem Preis kann man so ein ökologisch vorteilhaftes Produkt samt Serviceleistungen anbieten, das auch noch eine höhere Gewinnspanne bietet. Auch die Stahlindustrie freut sich, da Entsorgungs- und Deponiekosten entfallen.
Abfallrecht als Politische Baustelle
Ausgebremst wird die Kreislaufwirtschaft einmal mehr durch die Bürokratie. So fallen Sekundärrohstoffe nach wie vor unter das Abfallrecht, was die Handhabung und den Transport über Landesgrenzen hinweg erschwert. Hier ist eine zeitgemäße Anpassung und Entbürokratisierung gefordert, die Unternehmen mehr Flexibilität bei der Nutzung von Restwertstoffen und der Entwicklung neuer Technologien gibt. Schließlich beweist gerade Magnesita RHI, dass Kreislaufwirtschaft Innovation und damit auch die Wirtschaft antreiben kann.
Was Sigrid Stagl und Simone Oremovic zur aktuellen Wirtschaftslage, zu Greenwashing und zu den Sorgen der Kund:innen zu sagen hatten, könnt ihr selbst nachhören – im Full Circle Podcast von Nadja Hahn.
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