Armeniens Weg zur Circular Economy

‏‏‎ ‎|‏‏‎ ‎Magdalena Frauenberger

Armenien ist auf dem Weg in die EU - und damit auch in einen zunehmend zirkulären Wirtschaftsraum. Mit dem “EU4Green Recovery East”-Programm unterstützt die EU nun auch den Aufbau der Kreislaufwirtschaft in Armenien bis 2028. Als Teil des Programms soll ein Circular Economy Hub entstehen - mit Unterstützung aus Österreich.

Die jüngsten Wahlen in Armenien haben den pro-europäischen Kurs des Landes bestätigt. Die Regierungspartei “Zivilvertrag“ ging daraus als Sieger hervor und kann nun das wichtige politische Ziel eines EU-Beitritts weiterverfolgen. Im Zuge der Annäherung orientiert sich Armenien zunehmend auch an europäischen Standards und Richtlinien wie dem EU-Aktionsplan für Kreislaufwirtschaft. Der Plan umfasst unter anderem Maßnahmen zur Abfallvermeidung, zur Förderung des Recyclings und zur effizienteren Nutzung von Ressourcen.

Die Angleichung an europäische Standards und den Aufbau der Kreislaufwirtschaft in Armenien möchte die EU dabei auch aktiv unterstützen – mit dem “EU4Green Recovery East”-Programm. Als Teil des Programmes hat das österreichische Umweltbundesamt dem Climate Lab, ÖGUT und Thinkubator den Auftrag erteilt, den Aufbau von Circular Economy (CE) Hubs in Armenien und Moldawien zu begleiten. Eine Delegation mit Climate Lab Community-Expertin Lara Roth hat sich dazu in der armenischen Hauptstadt Yerevan ein genaueres Bild gemacht.

Eine vielversprechende Koalition

Es zeigt sich: Die Kreislaufwirtschaft in Armenien ist schon heute ein Wachstumsmarkt. Beispiele dafür sind eine erste Mülldeponie nach EU-Standards, ein Innovationsfonds für Start-ups und KMUs und erste Recycling-Programme von NGOs. Eine besonders vielversprechende Anker-Institution für eine nationale Kreislaufwirtschafts-Plattform ist die Armenische Circular-Economy Koalition ACEC.

Die Koalition bringt Stakeholder aus Forschung, Zivilgesellschaft und Wirtschaft zusammen. Durch die Bündelung von Ressourcen verfolgt die Koalition das Ziel, langfristig eine funktionierende Kreislaufwirtschaft zu etablieren. „Das starke Netzwerk des ACEC eignet sich besonders gut als Ausgangspunkt für eine nationale Plattform.“, zeigt sich Lara Roth erfreut über diesen vielversprechenden Anknüpfungspunkt.

Beim Recycling besteht auch Aufholbedarf

Aktuell engagieren sich mehrere Mitglieder der Koalition im Circular Economy Challenge Fund, der kleine und mittlere Unternehmen bei der Entwicklung kreislauforientierter Geschäftsmodelle unterstützt. Dadurch werden neue Projekte in den Bereichen Abfallvermeidung, Wiederverwendung und Recycling gefördert.

Das ist auch nötig, denn gerade bei Vorgaben zur Abfallvermeidung und zu Recyclingquoten hinkt man noch hinterher. Es gibt derzeit nur wenige verbindliche Ziele für die Wieder- und Weiterverwendung von Wertstoffen. Dadurch haben Unternehmen und Kommunen großen Spielraum im Umgang mit vermeintlichen Abfällen. In der Praxis führt dies dazu, dass weiterhin viel Material entsorgt statt recycelt und Recycling nicht flächendeckend konsequent umgesetzt wird.

Zivilgesellschaft und Start-up Szene als Circularity-Motor

Einstweilen müssen also noch private Initiativen und Start-ups aushelfen – wie etwa die NGO ISSD, die ebenfalls Teil des ACEC-Netzwerkes ist. ISSD steht für “Innovative Solutions for Sustainable Development of Communities” und genau daran wird in den Bereichen Abfallwirtschaft, Landwirtschaft und Kreislaufwirtschaft auch gearbeitet.

Ein aktuelles Projekt der NGO ist eine Recycling-Boutique, in der Plastikflaschen zu Textilien verarbeitet werden. Nach dem Drei-R-Prinzip – Reduce, Reuse, Recycle – zielt das Projekt darauf ab, das Land in Richtung der Produktion innovativer Upcycling-Produkte zu bewegen. Damit soll nicht nur Abfall verringert, sondern auch die regionale Textilindustrie wiederbelebt werden.

Gute Voraussetzungen für CE-Hub

Einen physischen Raum für solche und andere Initiativen bietet bereits heute das Impact Hub Yerevan. Aktuell laufen dort mehrere Programme, die junge Gründer:innen und Start-ups unter anderem im Nachhaltigkeitsbereich unterstützen. In einem Programm wird etwa die Entwicklung neuer Geschäftsideen unterstützt. Auch Events wie ein Ideathon werden durch das Impact Hub Yerevan organisiert. Dabei sollen Menschen in kurzer Zeit gemeinsam neue Lösungen für Probleme entwickeln. Das Schwesterunternehmen des Impact Hub Vienna könnte auch für den Aufbau des geplanten CE-Hubs eine wichtige Rolle spielen.

Auf politischer Seite zeigt man sich zumindest offen gegenüber einem Circular Economy Hub. So signalisierte die “Green Economy Division” des Wirtschaftsministeriums bereits ihr Interesse, insbesondere mit Blick auf einen vertiefenden Austausch und Anreizstrukturen.

„In Armenien gibt es viele Organisationen und Personen, mit großartigen Visionen und der Motivation, die Kreislaufwirtschaft im eigenen Land zum Erfolg zu führen. Ein Circular Economy Hub trifft auch hier auf fruchtbaren Boden“ lautet das zufriedene Resümee von Lara Roth.

Das Projekt wird gefördert durch die Europäische Union und ist Teil des internationalen Programmes EU4GreenRecoveryEast.

Links:
ÖGUT
Thinkubator
Armenia SWM Sector Assessment and Reform Plan: Sector Assessment Report

Mehr zum Thema

Jobs, Geld und Natur: Zirkuläre Perspektiven für die Wirtschaft

Geht WM auch ohne Eigentor fürs Klima?

Mit Kältewende gegen Hitzewellen

Impact Days: Ein Doughnut für die Wirtschaftswende

Ich möchte mich bewerben. Benachrichtige mich!