Finanzierung und Co: Woran Sanierungsvorhaben scheitern

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Das Sanierungsvorhaben der Dag-Hammarskjöld-Siedlung in Klagenfurt zeigt, warum Sanierungen im großvolumigen Wohnbau der richtige Weg in die Zukunft ist - und woran Umsetzungen derzeit scheitern. Wir haben mit Birgit Pobatschnig von der Abteilung Klima- und Umweltschutz der Stadt Klagenfurt über die Lehren aus dem - vorerst nicht umgesetzten - Projekt gesprochen.

Du bist in Klagenfurt verantwortlich für Projekte rund um Nachhaltigkeit und Transformation. Klagenfurt hat sich dabei sehr ambitionierte Ziele gesetzt – konkret die Klimaneutralität bis 2030. Liegt ihr im Plan?
Im Moment merkt man an den jüngsten Entwicklungen, dass der Klimaschutz als Priorität weiter nach unten rutscht, sowohl auf Bundes- als auch auf Länder- und Städte Ebene. Schlüsselprojekte wie KEBIP – da geht es um die Dekarbonisierung des Busverkehrs in Klagenfurt – wurden gestoppt, der Umbau von zentralen Straßenzügen und Plätzen wird immer wieder nach hinten verschoben. Das hilft nicht gerade. Trotzdem haben wir derzeit über 30 Klimaschutz-Projekte laufen und konzentrieren uns auf die Kooperationen mit unseren Klimaschutzpartnern, um so auch im kleinen Rahmen Klimaschutzprojekte umsetzen zu können.

Eines dieser Projekt war ja auch Smart-Dag, ein Sanierungsvorhaben rund um die Dag Hammarskjöld Siedlung in Klagenfurt. Was war dort geplant?
Die Geschichte rund um die Dag Hammarskjöld Siedlung in der Klagenfurter Siebenhügelstraße ist schon eine längere. Das Quartier ist ein typisches Projekt aus dem sozialen kommunalen Wohnbau der Nachkriegszeit, wie es sie in ganz Österreich gibt. Wir haben dort 200 Wohneinheiten, verteilt auf fünf Gebäude aus den 60er Jahren, die im Eigentum der Stadt bzw. dem Eigenbetrieb Klagenfurt Wohnen stehen.

Die Siedlung ist einfach in einem schlechten Zustand, sprich wir haben da einen großen Sanierungsrückstand. Es gibt noch Einzelfeuerungsöfen, jedoch keinen Anschluss an die Fernwärme. Die Wohnungen sind klein – das sind Wohnungen für 1 bis 2 Personen. Mehr als die Hälfte der Wohnungen stehen mittlerweile leer, weil sie nicht mehr zeitgemäß vermietbar sind.

Es gab in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Signale, entweder die Siedlung zu sanieren, oder ein s.g. Reconstructing durchzuführen – also alle Gebäude abreißen und am gleichen Standort einen Neubau errichten. Doch bisher haben die entsprechenden durchgängigen Beschlüsse oder die Geldmittel gefehlt.

Doch dann konnten wir uns durch die Sondierung SmartDag im TIKS Programm des Bundes den Zustand der Siedlung erstmals ganz genau anschauen. Mit dem Geschäftsführer von Klagenfurt Wohnen entstand dann die Idee, zu schauen, ob tatsächlich nur noch ein Abriss und Neubau in Frage kommt – oder ob nicht vielleicht doch eine Sanierung möglich ist.

“Natürlich haben wir uns auch die Kostenseite angesehen”

Ihr habt dann das Projekt gestartet. Welche Kriterien habt ihr euch da angeschaut?
Wir haben im Projekt geschaut welche Grundlagen bereits erhoben wurden und was noch fehlt und dann eine Entscheidungsmatrix mit drei möglichen Varianten aufgesetzt:  Das klassische “Reconstructing”- sprich Abriss und Neubau, dann die Sanierung und schließlich die Sanierung mit einer maßvollen Nachverdichtung.

Als Bewertungskriterien haben wir dann beispielsweise Faktoren wie die Bebauungsdichte, den Grün- und Freiflächenfaktor, den ruhenden Verkehr oder die Energieversorgung mit Heizwärmebedarf bzw. Energieendbedarf herangezogen. Unser Projektpartner, der Lehrgang Architektur der FH Kärnten, hat dazu noch die CO2-Emissionen für den Betrieb und die Herstellung über den gesamten Lebenszyklus hinweg ermittelt – also von der Errichtung, über den Betrieb bis hin zur Demontage.

Die finanziellen Kosten hast du jetzt nicht erwähnt. Waren die nicht Teil der Entscheidungsmatrix?
Natürlich haben wir uns auch die Kostenseite angesehen, auch hier ist die Sanierung mit maßvoller Nachverdichtung die kostengünstigste Variante.

Was war das Ergebnis der Entscheidungsmatrix und warum kam es zu diesem Ergebnis?
Wie schon gesagt, über den Lebenszyklus der Gebäude hin gesehen war die Sanierung mit maßvoller Nachverdichtung die kostengünstigste Variante.

“Wir wollten zeigen, dass Sanierungen im kommunalen und sozialen Wohnbau möglich sind”

Nach der Entscheidung – Wie ging es dann weiter?
Die Bewertungskriterien sind dann in die Unterlagen für den Architekturwettbewerb eingeflossen. Wir haben da erstmals für einen Wettbewerb in Kärnten nachprüfbare Nachhaltigkeitskriterien erstellt. Das ist ein wichtiges Projektergebnis, das auf jeden Fall auf dem Tisch liegt.

Ihr habt das Projekt Smart-Dag an dieser Stelle ja auch als Demo-Projekt bei KRAISBAU eingereicht. Wie kam es dazu?
KRAISBAU ist ein Projekt, das ein großer Treiber auch auf Bundesebene sein kann. Die BABEG, also die  Kärntner Betriebsansiedlungs- und Beteiligungsgesellschaft, ist Konsortialpartner bei KRAISBAU und hat wegen eines möglichen Demo-Projekts bei uns angefragt.

Das wäre auch ein wichtiges Signal, weil die Dag Hammarskjöld Siedlung das einzige Projekt in KRAISBAU aus dem Segment des kommunalen und sozialen Wohnbaus ist. Wir wollten zeigen, dass Sanierungen auch im Gemeindebau möglich sind und haben auf eine entsprechende Breitenwirkung gehofft.

“Im Moment werden zwar Einzelmaßnahmen gefördert, aber nicht das große Ganze.”

Warum ging es dann nicht weiter?
Da hat es mehrere Hemmnisse im Projekt gegeben, die für Verzögerungen gesorgt haben: Das waren zum einen die Hürden in den Verantwortlichkeiten, aber auch in den Zuständigkeiten. Vor allem aber rechtliche und gesetzlichen Rahmenbedingungen haben uns Grenzen aufgezeigt: Das fängt bei OIB Richtlinien für Raumhöhen, die auch in der Sanierung eingehalten werden müssen, an und endet bei der Laufzeit von Krediten der Wohnbauförderung, in
denen die Sanierung benachteiligt ist.

Wurde dabei auch das Projekt Smart Dag direkt beanstandet?
Nein, gar nicht – ganz im Gegenteil. Wir haben volle Unterstützung seitens der Förderstelle und des Fördergebers erhalten. Unsere Sondierung hat da wirklich von der Wohnbauförderungsstelle des Landes Kärnten, über die ZT-Kammer bis hin zum Bund viel Aufmerksamkeit erregt. Da sieht man auch, wie sehr das Thema unter den Nägeln brennt.

Gab es noch weitere Hemmnisse?
Es wurde auch darüber gesprochen, wie die Sanierung überhaupt finanzierbar ist. Es gibt nämlich keine Rücklagen für die Gebäude. Wir haben das Gespräch mit der Wohnbauförderung vom Land Kärnten gesucht, die das Forschungsprojekt auch als Observer begleitet hat. Die Wohnbaureferentin legt einen starken Fokus auf die Sanierung und hätte das auch unterstützt.

Woran ist die Umsetzung dann letztlich gescheitert?
Was wir als wirklich großes Hemmnis sehen sind die Förderfristen, die für große Sanierungsprojekte zu kurze Laufzeiten haben – wir reden hier von 20 Jahren. Das geht sich nicht aus. Es werden mind. 30-40 Jahre gebraucht. Aber auch fehlende Rücklagen stellen ein Problem für kommunale Eigentümer dar: Sie können keine zweckgebundenen Mietzinsreserven bilden oder die Mieten nicht erhöhen.

Was muss sich generell in der Baubranche und bei Förderungen ändern, damit die Bauwende Fahrt aufnehmen kann?
Im Moment werden zwar Einzelmaßnahmen gefördert, aber nicht das große Ganze. Die Finanzierungsinstrumente sind nach wie vor auf Neubau und nicht auf die Sanierung ausgerichtet. Die CO2-Emissionen in der Herstellung sind ein großer Faktor. Man muss aber den Lebenszyklus von der Herstellung über Betrieb bis zur Demontage betrachten.

Die klassischen Bewertungskriterien wie beispielsweise der Heizwertbedarf oder der Energieendbedarf betrachten die sogenannte “graue Energie” überhaupt nicht. Wir haben in unserem Projekt gesehen, dass hier die Sanierung in der Lebenszyklusbetrachtung klar im Vorteil ist.

Wie geht es mit euch und KRAISBAU weiter? Habt ihr ein anderes Projekt, das ihr gerne einreichen möchtet?
Die Sanierung der Dag Hammarskjöld in der Siebenhügelstraße ist noch nicht vom Tisch. Es kommt immer wieder Bewegung in dieses Thema. Wir bleiben jedenfalls dran.

Birgit Pobatschnig ist Projektleiterin in der Abteilung Klima und Umweltschutz bei der Stadt Klagenfurt, wo seit 2004 an Projekten rund um die Themen Umwelt- und Klimaschutz, Nachhaltige Mobilität, öffentlicher Nahverkehr, Energieeffizienz und grüne Infrastruktur gearbeitet wird.

Klagenfurt ist eine von zehn österreichischen Städten der Pionierstadt-Initiative des Bundes und die einzige österreichische Stadt, die an der Mission 100 Cities Initiative der EU teilnimmt. Ziel der EU Cities Mission ist die Erreichung der Klimaneutralität bis 2030.

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