Wenige Tage nach dem Smart City SuMMit zur zirkulären Stadt stand im Climate Lab erneut Wiens Weg zur Kreislaufwirtschaft im Fokus. Diesmal ging es um die Potentiale und Chancen für Fachkräfte. Schließlich muss auch jemand die Kreislaufwirtschaft in der Praxis umsetzen.
Neue Aufgaben für etablierte Berufe
Wie sich die Aufgaben in einer Kreislaufwirtschaft verändern, zeigte Kathrina Rieger von Concular anhand konkreter Projekte. Concular unterstützt Bauprojekte dabei, Bauteile aus bestehenden Gebäuden in die Wiederverwendung zu bringen. Fenster, Türen, Fassadenelemente oder technische Anlagen werden vor einem Rückbau erfasst, geprüft und anschließend erneut eingesetzt.
Damit verändert sich auch die Arbeit auf der Baustelle. Gebäude etwa werden nun vielmehr als Materiallager und Ressourcen betrachtet. Vor dem eigentlichen Rückbau müssen Bauteile digital dokumentiert, ihre Qualität bewertet und ihr weiterer Einsatz geplant werden. Logistik, Materialbewertung und Wiedereinbau gewinnen an Bedeutung. Klassische Berufe wie Maurer:in oder Bauleiter:in verschwinden dadurch nicht – ihre Aufgaben werden jedoch komplexer. Nicht völlig neue Berufsbilder stehen somit im Vordergrund, sondern der Erwerb neuer Kompetenzen innerhalb bestehender Berufe.
Der Wiener Weg führt im Kreis
Wie zentral diese Qualifizierung für Wien ist, zeigte Philipp Preuner von der Stadt Wien mit der Strategie „Zirkuläres Wien“. Sie ist die erste sektorübergreifende Strategie der Stadt, um Ressourcen effizienter zu nutzen und Materialien möglichst lange im Kreislauf zu halten.
Die Strategie ist dabei auch ein wichtiger Teil der Bemühungen, Wiens ökologischen Fußabdruck zu verbessern. Die Gewinnung und Verarbeitung von Rohstoffen verursacht einen erheblichen Teil der globalen Treibhausgasemissionen. Außerdem hängen mehr als 90 Prozent des Biodiversitätsverlusts und des Wasserstresses mit dem Ressourcenverbrauch zusammen. Die Stadt verfolgt deshalb das Ziel, den Materialfußabdruck bis 2050 zu halbieren.
Einer der neun Schwerpunkte betrifft dabei die Qualifizierung – von der Lehrlingsausbildung über Angebote der Wien-Akademie bis hin zur Initiative „Handwerks- und Reparaturstadt Wien“. Auf diese Weise soll und kann die Wirtschaftswende in Wien auch zur großen Chance des Wiener Arbeitsmarktes und für lokale Wertschöpfung werden.
Große Chancen für den Arbeitsmarkt
Welches wirtschaftliches Potenzial darin steckt, zeigte Anna Pixer vom KONTEXT Institut. Werden Bau- und Metallsektor kreislauffähiger, könnten in Österreich rund 3.500 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Nutzt Österreich seine Stärken im Bereich Recyclingtechnologien konsequenter und baut den Export weiter aus, wären bis 2030 sogar rund 20.300 zusätzliche Arbeitsplätze und eine Wertschöpfung von 2,2 Milliarden Euro möglich.
Die Zahlen zeigen: Die Kreislaufwirtschaft schafft nicht nur ökologische Vorteile, sondern eröffnet auch wirtschaftliche Chancen. Gleichzeitig wird deutlich, wo die größte Herausforderung liegt. Nicht Strategien oder Konzepte fehlen, sondern ausreichend Menschen, die sie mit den notwendigen Kompetenzen umsetzen können.
Welche Kompetenzen künftig gefragt sind
Klimaschutz, Fachkräftesicherung und wirtschaftliche Entwicklung sind bereits eng miteinander verbunden. Mit dem Weg zur Kreislaufwirtschaft werden diese Themen noch weiter zusammenrücken. Das verändert vor allem bestehende Berufsbilder. Gefragt sind künftig Kompetenzen wie Materialkunde, Prüftechnik, Reverse Logistics oder der Umgang mit digitalen Produktpässen. Unternehmen wie Concular zeigen, dass diese Veränderungen und neue Anforderungen längst in der Praxis angekommen sind.
Im Rahmen des Future Fit Festivals luden das Fachkräftezentrum des waff und das Climate Lab 47 Expert:innen zur Veranstaltung „Wiens Weg zur Kreislaufwirtschaft: Fachkräftepotenziale im Fokus“ ein, um gemeinsam über die zirkuläre Zukunft des Wiener Arbeitsmarktes zu diskutieren.
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