Unternehmen mit Impact-Anspruch stehen früher oder später vor der schwierigen Frage: Wie lässt sich sozialer und ökologischer Impact erzielen bei gleichzeitig wirtschaftlichem Erfolg? Eine mögliche Antwort liefert das Konzept der Doughnut Economics. Der Doughnut steht für den gesunden Bereich zwischen den planetaren Grenzen im Äußeren und den sozialen Grundbedürfnissen für ein gutes Leben im Inneren des Rings. Unsere Wirtschaftsweise soll also menschliches Wohlergehen sichern, ohne dabei die planetaren Grenzen zu überschreiten.
Wie kann man das in die Praxis holen? Das wollte der Workshops am zweiten Tag der Impact Days im Climate Lab klären. Antworten lassen sich dabei unter anderem mit “blue-sky thinking” finden, wie Marina Haydn von Donut Wien es ausdrückte. Der Vorschlag: den Doughnut als Reflexionsinstrument für das eigene Unternehmen nutzen. Dabei werden sowohl die planetaren Grenzen als auch die sozialen Grundlagen systematisch betrachtet. Das offenbart, an welchen Stellen schon ein guter Beitrag für Gesellschaft und Planet geleistet wird und wo noch Potential besteht.
Die Natur kennt keinen Müll
Ein Unternehmen, das auf ein Doughnut-inspiriertes Geschäftsmodell setzt, ist dabei Sonnentor. Das familiengeführte Unternehmen hat Marktpräsenz in sechs Ländern und verfügt über ein Netzwerk von mehr als 1.000 Bauernhöfen. Priorität für das Unternehmen haben robuste und resiliente Lieferketten und ein Wirtschaften, das zu einem guten Leben beiträgt – nicht die Maximierung kurzfristiger Gewinne. Alle erwirtschafteten Gewinne werden wieder ins Unternehmen investiert.
Florian Krautzer, CSR-Leiter bei Sonnentor, gab bei den Impact Days Einblicke in die Geschichte, Arbeitsweise und Werte des Unternehmens. Seine Rolle beschreibt er als die eines „Wertehüters“. „Die Natur kennt keinen Müll”, ”Alles ist ein Kreislauf“ oder „Leben und leben lassen“ sind dabei wichtige Leitgedanken und Entscheidungsgrundlagen, die etwa die biologische Produktion von Gewürzen und Teemischungen prägen oder sich in den sozialen Werten entlang der Wertschöpfungskette widerspiegeln.
Kosten und Risiken des Nicht-Handelns
Dass es dabei um deutlich mehr geht, als bloße Moralvorstellung, zeigt ein nüchterner Blick auf den Status Quo: Sieben von neun planetaren Grenzen sind überschritten. Das sind keine abstrakten ökologischen Probleme, sondern konkrete Risiken für Unternehmen. Das Voranschreiten der Klima- und Biodiversitätskrise hat wachsende Auswirkungen auf globale Lieferketten – schon heute.
Gleichzeitig ist das aktuelle, lineare Wirtschaftssystem primär auf extraktive Wertschöpfung ausgerichtet. Das erschöpft auf lange Sicht die Grundlage dieser Wirtschaftsweise – man sägt sozusagen an dem Ast, auf dem man sitzt. Möglich ist das (noch), weil die ökologischen und sozialen Kosten, die in erheblichem Maße anfallen, im Preis (noch) unsichtbar bleiben.
Mehr Resilienz im eigenen Geschäftsmodell ist daher gefragt – gerade auch mit Blick auf das eigene Risikomanagement. Das Doughnut-Modell bietet hier – auch disruptive – Denkanstöße in Richtung einer regenerativen Wirtschaft.
Potentiale des Handelns
Die Vorteile nachhaltig gedachter Geschäftsmodelle hat man bei Sonnentor längst erkannt. Die vollständig biologische Produktion macht die Lieferketten des Unternehmens unabhängig von synthetischen Düngemitteln. Ein Umstand, der sich gerade während der Disruptionen der vergangenen Monate bezahlt gemacht hat. Auch der Energiebedarf des Unternehmens wird aus lokalen, erneuerbaren Quellen gedeckt, was die Resilienz weiter stärkt. Schließlich sind noch die klaren Wettbewerbsvorteile am Markt zu nennen. Die Kundschaft kauft neben dem organischen Produkt auch ein rundum nachhaltiges Wirtschaftsmodell.
Mit Mut zu Impact
Basis für den konsequenten Weg bei Sonnentor ist das klare Commitment der Eigentümer:innen für Umwelt und Gesellschaft. Weitere Erfolgsfaktoren sind die kurzen Wege zwischen Eigentümer:innen und Produzent:innen und der transparente Umgang mit Gewinnen und Investitionen.
Das zeigt: Veränderung beginnt bei uns Menschen und in den Organisationen, in denen wir arbeiten. Schließlich sind es diese Organisationen, die die Systeme gestalten und fortführen. Deshalb braucht es den Mut, praktische Zwänge einen Moment lang auszublenden und disruptive Ideen zu wagen. Auch Marina Haydn empfiehlt, herauszufinden, was im eigenen Unternehmen möglich ist und den Status Quo herauszufordern.
Die Impact Days
Am 18. und 19. Mai 2026 fanden die Wiener Impact Days unter dem Motto „Holding Tensions, Creating Impact“ statt. Das Businessfestival wurde vom Impact Hub veranstaltet und ist Teil des Wiener Start-up-Festivals ViennaUP der Wirtschaftsagentur Wien. Internationale Akteur:innen kamen zusammen, um Zukunftsperspektiven zu diskutieren und gemeinsam herauszufinden, wie Impact in der heutigen Zeit erzielt werden kann.
Einer der Schwerpunkte war das Konzept der Doughnut Economics nach Kate Raworth. Dazu fand am 18. Mai im Wiener Rathaus das Panel „Doughnut Economics in Action: Rethinking Business Design“ statt. Mit dabei waren Marina Haydn (Donut Wien), Stefan Kainz (Klimja), Melanie Rieback (Nonprofit Ventures), Florian Krautzer (Sonnentor) und Markus Linder (Inoqo). Am 19. Mai folgte im Climate Lab der Workshop „Leaders Deep Dive: Designing Businesses for the Doughnut Economy“. Moderiert wurde er von Marina Haydn und Michael Gizicki-Neundlinger, Gründer und CEO von Loops & Balance.
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Bildcredits: Kate Raworth and Christian Guthier. CC-BY-SA 4.0