Ein Königreich für ein kühles Büro. Glücklicherweise haben wir im Climate-Lab das Raumklima gut im Griff. Jedoch: Kälte ist leider auch bei uns ein Klimatreiber. Wie sehr das der Fall ist, das hat uns im Climate Lab mehr als überrascht, als wir unsere eigene CO2-Bilanz bestimmen ließen. Nicht Platz Drei oder Zwei, sondern ganz vorne auf Platz Eins stand da die Klimatisierung auf der Liste der Emissionsfaktoren. Der Grund liegt dabei weniger im Energieverbrauch, sondern vielmehr in den eingesetzten Kältemitteln. Diese sind teilweise um ein Vielfaches klimawirksamer als CO2. In einer seriösen Klimabilanz müssen hier nämlich mögliche Verluste aus dem an sich geschlossenen System angenommen werden.
Klimafaktor Kühlmittel
Auch wenn es sich um hypothetische Emissionen handelt, für uns im Climate Lab ist es selbstverständlich, dass wir nach diesem Befund hier besser werden wollen. An den Low-Hanging Fruits, wie 1-2 Grad mehr Raumtemperatur, Jalousie-Management oder die Anbringung von Außenjalousien am Gebäude sind wir schon dran. Aber ist das alles, was man tun kann, oder geht da noch mehr? Lässt sich auch bei den Kühlmitteln selbst ansetzen?
Glücklicherweise haben wir uns im Climate Lab mit dem Thema Kühlmittel schon früher befasst. Wir haben uns dabei angesehen, wo sie in der Industrie im Einsatz sind und wie hoch ihre Klimawirkung ist. Neben Klimaanlage finden sie sich auch in Rechenzentren, Werkstätten, Laboren, dem Lebensmittelhandel und sogar in Stellwerken – also so ziemlich überall und in nahezu jedem Betrieb. Auch Isoliergase – etwa um Kurzschlüsse zu vermeiden – sind oft sehr klimawirksam.
Die Recherche zeigt: Kühlung ist in unserem Alltag unverzichtbar – nicht nur während Rekordhitzewellen, sondern das ganze Jahr über. Sie schützt Server, reguliert die Temperatur in Fahrzeugen und sorgt dafür, dass die Technik rund um die Uhr funktioniert. In unserem Wirtschaftssystem ist Kälte ein stiller Garant dafür, dass alles reibungslos läuft. Für Unternehmen sind Kühl- und Isoliermittel aber zugleich eben auch ein wichtiger Faktor auf dem Weg zur eigenen Klimaneutralität.
Von CO₂ bis Propan – was künftig kühlt
Die gute Nachricht: Alternativen gibt es bereits – und sie fallen sehr unterschiedlich aus. Wenn es um klimaverträgliche Kühlung geht, haben die Kühlmittel erstaunlich unterschiedliche “Persönlichkeiten”: CO₂ gilt als der robuste Typ – absolut nicht brennbar. Dafür braucht es aber Anlagen, die mit richtig viel Druck umgehen können. Ammoniak ist der Effizienzprofi und arbeitet so sparsam wie kaum ein anderer Stoff. Allerdings empfiehlt sich der Einsatz nur dort, wo geschlossene Systeme absolute Sicherheit garantieren. Und Propan? Das ist der Klimaliebling unter den Kältemitteln: sehr umweltfreundlich, energieeffizient – aber eben leicht entflammbar und daher nur in gut abgesicherten Anlagen einsetzbar.
Daneben gibt es neue synthetische Alternativen, die sogenannten HFOs: technisch vertraut, deutlich klimafreundlicher, aber mit einem kleinen Fragezeichen, weil manche noch PFAS-Verbindungen enthalten. Sie gelten als sinnvolle Übergangslösung, wo der direkte Sprung zu natürlichen Stoffen noch schwierig ist.
Gemeinsam zeigen all diese Ansätze: Die Zukunft der Kühlung ist vielfältig – und mit den richtigen Lösungen deutlich klimaverträglicher. Manch einer mag jetzt denken: „Ja eh schön – aber sicher viel teurer.“ Das trifft allerdings nur auf einen Teil der Lösungen zu – und aufgrund der geringeren Emissionen und Betriebskosten zahlen sich alle Varianten langfristig aus.
Mit kühlem Kopf und Weitsicht zur coolen Strategie
Der erste Schritt ist, die Kühlung neu zu denken. Kälte ist ein eigener Klimafaktor, der mitgedacht werden muss. Sobald dieses Bewusstsein in einem Unternehmen besteht, gilt es, clever und mit Weitsicht zu beschaffen. Nicht jede Technik wird in Zukunft noch erlaubt sein. Manche der eingesetzten Mittel werden in der EU in den nächsten Jahren stark eingeschränkt oder sogar verboten. Hier lohnt es sich, etwas länger nachzudenken, um wirklich langfristige Lösungen zu finden. Erfahrungen und Wissen sollten schließlich auch über Abteilungen und Unternehmen hinweg geteilt werden, um die Kältewende so rasch als möglich in die Breite zu bringen.
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